Verkaufszahlen
Europas Autoabsatz sinkt auf Rekordtief

Am europäischen Automarkt bleibt die Lage düster. Die Verkaufszahlen sind im Februar auf ein Rekordtief gesunken - und mittlerweile zieht die Krise auch die deutschen Hersteller mit.
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BrüsselDer Pkw-Verkauf sackt nun selbst in Deutschland, eigentlich Hoffnungsträger inmitten der Euro-Wirtschaftskrise, kräftig ab. Die Zahl der Neuzulassungen brach im März verglichen mit dem Vorjahresmonat um 17,1 Prozent auf rund 281 000 Fahrzeuge ein, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch in Flensburg mitteilte. Hinzu kommt, dass die deutschen Autobauer mit schwächerer Nachfrage aus dem Ausland zu kämpfen haben.

Im ersten Quartal lag der Rückgang der Zulassungen bei 12,9 Prozent auf 674.000 Personenwagen (Pkw). Unter den großen Herstellern musste Volkswagen besonders große Einbußen hinnehmen. Im März lag das Minus bei 21,2 Prozent, im ersten Vierteljahr bei 17,0 Prozent. VW hatte im ersten Quartal mit 21,3 Prozent aber nach wie vor den mit Abstand größten Marktanteil. Es folgen Mercedes (9,3 Prozent), Audi und BMW (je 8,2 Prozent).

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies darauf hin, dass im März diesmal zwei Arbeitstage weniger vorhanden waren. „Deswegen fällt der Rückgang im Vergleich zum recht ordentlichen März 2012 besonders deutlich aus“, erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann. „Aber wir sehen auch, dass die schwierige konjunkturelle Lage in Europa sich auch auf den deutschen Pkw-Markt auswirkt.“ Er erwarte jedoch, dass sich der Markt im zweiten Quartal stabilisiert. „Denn der wirtschaftliche Ausblick für Deutschland ist derzeit weiterhin robust.“

Die zusätzlichen Arbeitstage im April könnten zwar zu einem verbesserten Ergebnis beitragen, doch insgesamt wird 2013 für die Kfz-Industrie ein Jahr mit vielen Herausforderungen bleiben“, erklärte Volker Lange, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK).

Die Fertigung in den deutschen Werken wurde nach VDA-Angaben im März um 13 Prozent auf 474.900 Pkw gedrosselt. Seit Januar wurden 1,33 Millionen Autos im Inland produziert - das entspricht einem Minus von 11 Prozent. „Den schwachen Markt in Europa spüren wir vor allem in unseren Inlandswerken“, bemerkte Wissmann.

Auch beim Export mussten die deutschen Autoproduzenten den Rückwärtsgang einlegen. Sowohl im März als auch im ersten Quartal betrug das Minus nach VDA-Angaben neun Prozent. Im März wurden 367 200 Pkw an ausländische Kunden ausgeliefert, in den ersten drei Monaten waren es zusammen 1,03 Millionen.

In Deutschland verkauften im ersten Quartal alle großen Hersteller weniger Autos. Nach VW verlor Opel mit einem Minus von 15,5 Prozent am meisten, gefolgt von Audi (minus 6,0), Mercedes (minus 3,6) und BMW (minus 2,7). Unter den deutschen Marken verzeichnete lediglich Smart einen Zuwachs - um 3,3 Prozent. Bei den Importeuren erzielte Seat das größte Plus (21,7 Prozent), gefolgt von Land Rover (16,1 Prozent).

In den vergangenen zehn Jahren sind deutsche Autobauer der internationalen Konkurrenz davongefahren. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Demnach steigerten sie ihren Umsatz seit 2003 um insgesamt 78 Prozent, während japanische Hersteller nur um 23 Prozent zulegten. Bei anderen europäischen Autobauern gingen die Erlöse in dem Zeitraum um 7 Prozent zurück, bei den US-Herstellern sogar um 15 Prozent. Für die Studie wurden die Bilanzen der 17 größten Autokonzerne weltweit ausgewertet.

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  • Die deutsche Autoindustrie ist immer noch Motor unserer Wirtschaft. Aber dieser Motor wird bald enorme Fehlzündungen zu beklagen haben.
    Aber das ist ja gewünscht. Was sagte doch der jetzt so
    fettgefressene Kommunist Fischer gleich?

    „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas sind.
    Das wird immer wieder zu ‘Ungleichgewichten’ führen.
    Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.”

  • @ Eskom

    schön wärs, dann könnte man endlich mal wieder günstig einkaufen :-)

  • Willkommen in der Welt der sogenannten “Sparpolitik“ – Willkommen in der Austerität!

    In der Ökonomie gilt nun einmal das Prinzip des Ausgleiches. Weder darf man eine reine Nachfragepolitik machen, noch sollte man ihr Gegenteil, eine reine Angebotspolitik umsetzen.

    Sowohl Angebot wie auch Nachfrage müssen bestehen, damit es einen funktionierenden Markt gibt. Hat kaum jemand Geld, um Autos zu kaufen, so fällt der Absatz.

    Das Lohndrücken in Deutschland sorgt dafür, dass die Verkaufsausfälle in Südeuropa nicht vom Binnenmarkt kompensiert werden können. Und, das wird sich weisen, so schnell kann man gar keine anderen Märkte finden, zumal die durch die Austeritätspolitik angefeuerte Eurokrise langsam weltweit Auswirkungen zeigt: Spanien, Portugal, Italien, Griechenland & Co. haben schliesslich nicht nur in Deutschland eingekauft.

    Ich habe da keine Hoffnung, dass sich die Rezession etwa vermeiden liesse – Merkel wird an ihrer Austeritätspolitik eisern festhalten, egal was dabei mit der Wirtschaft passiert.

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