Verluste mit Kunststoff
Bayer baut auf krisenfeste Säulen

Mit Kunststoff ist derzeit kein Geld zu verdienen. Weil die Nachfrage in der Automobil- und Baubranche zurück geht, macht auch die Kunststoffsparte von Bayer derzeit Verlust. Kein Grund zur Sorge, meint Vorstandsvorsitzender Werner Wenning. Die Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz retten das Ergebnis des Chemieriesen.

LEVERKUSEN. Die Bayer AG bleibt trotz massiver Rückgänge im Kunststoffgeschäft recht optimistisch – anders als Chemiekonkurrenten wie BASF. Nach dem operativ erfolgreichen Jahr 2008 wagte Vorstandsvorsitzender Werner Wenning gestern einen vorsichtig formulierten Ausblick: „Ich habe den Eindruck, dass wir den Boden erreicht haben“, sagte er, schränkte aber ein, dies sei noch „keine belastbare Aussage“. Im Krisenjahr 2009 setzt Bayer auf den internen Ausgleich, den die Ausrichtung auf drei verschiedene Geschäfte ermöglichen kann. Bayer besteht aus den Teilkonzernen Gesundheit, Pflanzenschutz und Kunststoffe.

Vor allem in der letztgenannten Sparte Bayer Material Science (BMS) haben die Leverkusener die Wirtschaftsflaute zuletzt voll zu spüren bekommen. BMS beliefert mit Kunststoffen derzeit angeschlagene Branchen wie Automobil und Bau. In dem Geschäft schrieb Bayer im vierten Quartal rote Zahlen. Die anderen Sparten steigerten dagegen den Gewinn. Eine ähnliche Entwicklung prognostiziert Wenning für die kommenden Monate. Die Kunststoffsparte bleibt das Sorgenkind: Bei BMS rechnet er 2009 mit einem „gravierenden“ Umsatz- und Ergebnisrückgang. Dagegen erwartet er bei den Geschäftsbereichen Health Care und Crop Science weitere Steigerungen. Dies soll den Rückgang des operativen Konzerngewinns in diesem Jahr auf fünf Prozent begrenzen, hofft Wenning.

Im Gesamtjahr 2008 konnte Bayer noch einmal leicht zulegen: Der Umsatz stieg auf 32,9 Mrd. Euro, der operative Gewinn (Ebit) vor Sondereinflüssen auf 4,3 Mrd. Euro. Wenning unterstrich, dass Bayer auch in der gegenwärtig schwierigen Phase keine Abstriche an den Forschungs- und Entwicklungsausgaben machen werde. Allerdings hätten Liquidität und Ergebnissicherung Vorrang.

Daher plane Bayer in diesem Jahr auch keine größeren Akquisitionen. Der Bayer-Chef dementierte Interesse an der Agrochemie-Sparte des US-Konkurrenten Dow Chemical, die nach US-Medienberichten zum Verkauf steht. Der Schweizer Pflanzenschutz-Konkurrent Syngenta hat dagegen bereits offen sein Interesse an Dow Agro bekundet. „Angesichts der erheblichen Unsicherheiten, die die Wirtschaftskrise mit sich bringt, halten wir eine zurückhaltende Umsetzung von Übernahmen für angebracht“, erklärte Wenning die eigene Strategie.

Bayer erweist sich mit seiner in früheren Jahren häufig kritisierten Ausrichtung auf drei unterschiedliche Bereiche und den hohen Investitionen im Branchenvergleich als recht robust. Andere Chemiekonzerne wie BASF und Dow Chemical berichteten zuletzt von erheblich größeren Problemen im operativen Geschäft, die zum Teil mit der Stilllegung von Produktionsanlagen und dem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sind.

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