Versorger
Eon: Zwei Mann, ein Wort

Neun Monate soll es noch dauern, bis Johannes Teyssen Wulf Bernotat als Chef von Eon ablöst. Beide wollen Ärger vermeiden - schon weil Eon so dem großen Konkurrenten RWE wieder einmal eine Nase drehen könnte.

DÜSSELDORF. So etwas hatten die Chefs von Eon noch nicht erlebt. Über 5000 Mitarbeiter sind an diesem Tag Mitte Juni in den Innenhof an der Südseite der Konzernzentrale in Düsseldorf gekommen. Einige kamen sogar per Bus aus Ungarn her. Viele tragen leuchtend orange oder gelbe Westen, sie schwenken Fahnen mit dem Slogan "Wir sind Eon!" sie pusten penetrant in nervtötende Tröten, und sie fragen per Plakat: "Eon-Management: Wo hast du unsere Kohle versenkt?" Gewerkschaftsfunktionäre brüllen von einem Kleinlaster ihre Forderungen ins Mikrofon: Keine Kündigungen! Hände Weg vom Tarifvertrag!

50 Meter weit weg, ganz am Ende der Demonstrantenschar, steht Eon-Chef Wulf Bernotat. Mitarbeiter drängen herbei, sie lassen die Handy-Kameras klicken - um Souvenirs zu erhaschen von einer historischen Veranstaltung. Neben Wulf Bernotat steht Johannes Teyssen. Geschlossenheit vorleben, das wollen der Konzernchef und sein Nachfolger an dem Tag, an dem der Energieriese die erste große Demonstration seiner Geschichte erlebt.

Eon ist nicht mehr Eon. Auch wenn sich Manager und Betriebsräte Ende vergangener Woche endlich auf die Details des Sparprogramms geeinigt haben (siehe: Baustellen): Deutschlands größter Energiekonzern erlebt einen Kulturwandel. Die Zeiten erkaufter Harmonie, als Eon interne Konflikte dank der sprudelnden Gewinne mit einem "Mehr für alle" beilegen konnte, sind vorbei. Die Verteilungskämpfe erfassen den Konzern ausgerechnet in dem Moment, in dem der alte Chef, Bernotat, noch an Bord, der neue, Teyssen, aber schon bekannt ist. Doch was bei manchem anderen Konzern die Bühne für ein größeres Machtgezerre abgeben würde, läuft bei Eon bisher geräuschlos - und das nicht nur im Vergleich zum großen Konkurrenten RWE.

Heute trifft sich der Eon-Aufsichtsrat zu einer zweitägigen Klausur. Dass die Aufseher um Vorsitzer Ulrich Hartmann Teyssen als Nachfolger Bernotats zum nächsten Vorstandsvorsitzenden bestellen, gilt als sicher. Am 6. Mai 2010 soll Teyssen, der seit 20 Jahren an verschiedensten Stellen im Konzern tätig war, den Topjob übernehmen.

Einen Kulturwandel dürfte es dann auch an der Konzernspitze geben, weg von der distanzierten Kühle des weltmännischen Bernotat und hin zum zupackenden Macher Teyssen, der zum Energiegipfel im Kanzleramt auch schon mal per Taxi statt per Dienstlimousine vorfährt. Teyssen, der Mann, der als Manager bei Stadtwerken groß wurde, legt Wert auf Bodenständigkeit, ein Wesenszug, den Bernotat nicht pflegte.

Neun Monate einer Doppelspitze aus altem und neuem Chef? Für Teyssen ist die Übergangszeit auch eine große Chance. Als Chief Operating Officer kann er sich selbst ein gut bestelltes Haus bauen - ohne dass er sich dafür als Vorstandschef ständig öffentlich rechtfertigen müsste. "Abtauchen und arbeiten" ist seine Devise.

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