Versorger
Razzia beim Stromkonzern EDF

EU-Fahnder haben beim französischen Stromkonzern EDF nach Beweisen für illegale Hochpreise des Unternehmens gesucht. Da werden Erinnerungen wach im Hinblick auf den deutschen Versorger Eon.

PARIS. Beamte der EU haben gestern die Zentrale des französische Stromkonzerns Electricité de France (EDF) durchsucht. Die EU-Kommission vermutet einen Missbrauch der Marktmacht von EDF. Die Franzosen werden unter anderem verdächtigt, Preise auf dem heimischen Stromgroßmarkt manipuliert zu haben und diese ungerechtfertigt erhöht zu haben, wie die Kommission mitteilte. Möglicherweise habe EDF geltende europäische Wettbewerbsregeln verletzt, hieß es weiter.

Ein Sprecher des Stromkonzerns bestätigte die Razzia in Paris, an der auch die französischen Kartellbehörden teilnahmen, sowie die Ermittlungen. Das Unternehmen werde alles Notwendige zur Aufklärung beisteuern, unterstrich er. Bisher gibt es aber noch keine Ergebnisse der Inspektion, hieß es bei de EU.

Eine mögliche Manipulation der Großhandelspreise könnte zu erhöhten Preisen für Unternehmen und Privatkunden führen, erläuterte ein Sprecher der EU-Kommission. Weder die Kommission noch EDF äußerten sich zu weiteren Details der Ermittlungen. Nach Angaben der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“ soll Material in den obersten Etagen der Direktion beschlagnahmt worden sein.

Die Kommission erklärte, dass die Ermittlungen auf ihre Initiative beruhen. Bisher gebe es aber keine Frist, um die Untersuchungen abzuschließen. Bei der Hausdurchsuchung habe es sich nur um eine „Voretappe“ gehandelt. In den zurückliegenden Jahren waren Energieversorger verstärkt Ziel von Ermittlungen der europäischen Wettbewerbshüter. Eine ähnliche Untersuchung hat es bereits in Deutschland gegeben. Vor Weihnachten hatten die Brüsseler Behörde ein Kartellverfahren gegen den Eon eingestellt, nachdem dieser den Verkauf seines Hochspannungsnetzes ankündigte.

Gleichzeitig mit den Untersuchungen bei EDF zu den erhöhten Strompreisen hat die EU-Kommission eine Ausweitung der Untersuchung zu den staatlich reglementierten Stromtarifen in Frankreich angekündigt. Diese gelten als wettbewerbsverzerrend. Die Ermittlungen drehen sich um die sogenannten „Rückkehrtarife“. Sie gelten für Unternehmen, die auf den staatlich reglementierten Strommarkt zurückkehren, nachdem sie den freien Markt getestet haben. Die „Rückkehrtarife“ liegen unter den Tarifen des freien Marktes. Diese Regel sollte ursprünglich nur bis Ende Juni 2009 gelten. Doch im August 2008 wurde sie um ein Jahr verlängert. Die Kommission befürchtet, dass die europäischen Konkurrenten der französischen Unternehmen benachteiligt werden, weil sie höhere Strompreise zahlen müssen. Derzeit geht es in Frankreich sogar darum, ob diese staatlich reglementierten Tarife noch weiter geschützt werden.

EDF hat selbst Interesse daran, dass diese Tarife verboten werden. Denn der Strompreis liegt unter den Produktionskosten des neuen EPR-Atomreaktors. Außerdem zeigte sich in der Jahresbilanz 2008, dass die regulierten Tarife den Gewinn von EDF belasten. Dabei war von 1,2 Mrd. Euro bezifferten Auswirkungen des staatlichen Eingriffs die Rede. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank vor allem aufgrund dieser Regelung um eine Mrd. Euro auf 14,24 Mrd. Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%