Vertragslaufzeiten
Vorstände unter Beschuss

Die Vorstände deutscher Aktiengesellschaften gehen unsichereren Zeiten entgegen. Zumindest innerhalb der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, kurz Cromme-Kommission genannt, gibt es Bestrebungen, die Laufzeiten von Vorstandsverträgen von den üblichen fünf Jahren auf drei Jahre zu verkürzen.

FRANKFURT. Offenbar bemüht sich ein Teil der dreizehn Kommissions-Mitglieder darum, diesen Punkt noch auf die Tagesordnung der nächsten Jahressitzung im Juni zu setzen. Der Kommissions-Vorsitzende Gerhard Cromme hält allerdings noch an seiner Ankündigung vom April dieses Jahres fest, dass im Juni keine wesentlichen Änderungen des Kodex zur Diskussion stehen sollen. Weder der Sitzungstermin noch die Agenda seien bislang festgelegt, sagte eine Sprecherin am gestrigen Dienstag. Die Initiative, eine Kürzung der Vertragslaufzeiten zu empfehlen, dürfte in erster Linie von den Anleger-Vertretern innerhalb der Kommission ausgegangen sein, also von DWS-Aufsichtratsmitglied Christian Strenger und von Ulrich Hocker, dem Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Ihre Motivation ist klar: „Die Verweildauern deutscher Vorstandsmitglieder sind kürzer geworden. Und die Trennung wird wegen der langen Restlaufzeiten der Verträge oft ziemlich teuer“, erläutert DSW-Sprecher Jürgen Kurz. „Deswegen meinen wir, dass wir auch den Unternehmen helfen, wenn wir sie vom Pseudo-Zwang der Fünf-Jahres-Verträge befreien.“ Die in Deutschland übliche Laufzeit entspringt dem Aktiengesetz, das bestimmt, dass der Aufsichtsrat Vorstandsmitglieder auf höchstens fünf Jahre bestellen darf.

An dieser gesetzlichen Vorgabe würde sich nach Meinung auch der Befürworter einer Kommissions-Empfehlung nichts ändern. Sie bliebe eine Soll-Vorschrift, der die Unternehmen mit einer Erläuterung in der jährlichen Erklärung zum Corporate-Governance-Kodex ausweichen könnten. Dass die Empfehlung – wie im Fall der Offenlegung der individuellen Vorstandsbezüge – zum Gesetz werden könnte, gilt als unwahrscheinlich.

In den Unternehmen werden kürzere Laufzeiten häufig als Indiz mangelnden Vertrauens angesehen. Allerdings: „In der Praxis ist es bereits üblich, Vorstandsverträge bei der ersten Bestellung nur für drei oder sogar zwei Jahre abzuschließen“, sagt Jobst-Hubertus Bauer, Partner der Stuttgarter Sozietät Gleiss Lutz. „Eine kürzere Laufzeit auch bei den Anschlussverträgen hielte ich für keine glückliche Lösung.“ Denn: „Das könnte sogar teurer werden, wenn die kürzere Dauer durch Zusagen über Abfindungen oder Alterversorgungen kompensiert würde.“

Ähnlich sieht es Michael Kramarsch von der Management-Beratung Towers Perrin: „Wir beobachten international, dass kürzere Vertragslaufzeiten mit höheren Abfindungen verbunden sind. Ich kann aus Sicht der Praxis keinen Vorteil in der Verkürzung erkennen.“ Wahrscheinlich sei, dass solche Regelungen im Unternehmensalltag ausgehebelt würden: „Eine einfache Option wäre zum Beispiel der Vorstandsvertrag mit drei Jahren Laufzeit und einer Abfindung in Höhe eines Zweijahres-Entgelts.“ Außerdem könnten die kürzeren Verträge als „Ausrede dafür genutzt werden, die Vorstandsvergütungen generell zu erhöhen.“

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