Viele Planspiele für mögliche Fusionen
Europas Rüstungsindustrie steht vor einer Neuordnung

Die Spekulationen über eine weitere Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie reißen nicht ab. Wie die französische Zeitung „Les Echo“ berichtete, dringe die Regierung in Paris auf eine Übernahme des Rüstungskonzerns Thales durch EADS. Trotz Dementis zogen die Aktien von Thales an, während die EADS-Papiere unter Druck gerieten.

HB BERLIN/PARIS. Trotz aller Dementis: Beobachter registrieren in Paris und Berlin derzeit eine Vielzahl von Planspielen für eine Neuordnung des europäischen Verteidigungssektors. Industriekreise weisen aber darauf hin, dass sich diese noch in einem „sehr frühen Stadium“ befinden.

EADS Co-Chef Rainer Hertrich und auch der Thales Vorstandschef Denis Ranque haben immer wieder betont, dass nicht „schiere Größe“, sondern die Führerschaft in einzelnen Märkten wichtig sei. Industriekreise räumen aber ein, dass EADS die ehrgeizigen Ziele im Rüstungsgeschäft nicht nur durch internes Wachstum erreichen könne.

Der deutsch-französische Konzern will bis 2005 seinen Umsatz in diesem Geschäftsfeld mehr als verdoppeln und vor allem die Position in den USA ausbauen. Mit einer Übernahme von Thales käme EADS, die unter anderem den Eurofighter bauen, auf einen Umsatz von rund 40 Mrd. Euro und hätte damit fast die Augenhöhe von US-Konkurrent Boeing erreicht.

Thales gerät unter Druck, weil der Elektronikhersteller Alcatel offenbar seinen Anteil von 9,5 Prozent abgeben will. Der französische Staat hält 31,3 Prozent an Thales sowie 15 Prozent an EADS. Die Vorstände von Thales und EADS seien bereit, über eine Annäherung beider Konzerne zu diskutieren. Das berichtet „La Tribune“, die französische Partnerzeitung des Handelsblatts, in ihrer heutigen Ausgabe unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac würde ein Szenario bevorzugen, dass eine Zerschlagung von Thales vermeidet, heißt es weiter. Aus diesem Grund habe die Umgebung Chiracs Gespräche zwischen beiden Unternehmen angeregt. Doch weder der genaue Zeitplan, noch Details seien festgezurrt. Die Unternehmen wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Auch beim Mutterkonzern von Airbus könnten sich die Eigentumsverhältnisse ändern: Industriekreise rechnen damit, dass 2007 die drei größten Aktionäre zu denen neben dem französischen Staat auch Daimler-Chrysler und die französische Lagardère-Gruppe gehören, ihre Anteile verkaufen wollen.

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