Volkswagen
Winterkorn packt den Umbau an

VW ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und auf dem Weg an die Weltmarktspitze. Intern mehren sich aber Zweifel, ob das Riesenreich noch steuerbar ist. Konzernchef Winterkorn geht nun die Neustrukturierung an.
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HamburgVolkswagen-Chef Martin Winterkorn geht nach dem überstandenem Machtkampf mit Firmenpatriarch Ferdinand Piëch den Umbau des Wolfsburger Autoimperiums an. Der Konzernchef habe dem Spitzenmanagement bereits am Donnerstag in Wolfsburg seine Vorstellungen dazu präsentiert. „Herr Winterkorn hat dort die Zukunft des Konzerns beschrieben und das Thema Neustrukturierung platziert“, sagte ein Sprecher. Details der Pläne, die bis Oktober vorgestellt werden sollen, nannte der Sprecher nicht.

„Es ist an der Zeit, unser Führungsmodell weiterzuentwickeln und die Strukturen und Aufgaben ein Stück weit neu zu ordnen. Wir müssen schneller, effizienter und beweglicher werden“, sagte Winterkorn nach Angaben eines Teilnehmers bei der kurzfristig einberufenen Management-Sitzung, die die weltweit in die Standorte des Konzerns übertragen wurde. „Wir bereiten den Konzern jetzt auf die kommenden zehn, zwanzig Jahre vor.“

Volkswagen ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Mit weltweit zuletzt mehr als zehn Millionen ausgelieferten Fahrzeugen sind die Niedersachsen zwar auf dem Sprung, den Dauerrivalen Toyota von der Weltmarktspitze zu verdrängen. Intern mehren sich allerdings Zweifel, ob das Riesenreich mit seinen zwölf Marken und weltweit fast 600.000 Mitarbeitern noch steuerbar ist. Deshalb werden schon seit einiger Zeit Modelle durchgespielt, wie Volkswagen anders organisiert werden könnte.

Gleichzeitig nimmt die Vernetzung von Autos zu, die Digitalisierung schreitet voran. Zudem fordern IT-Unternehmen wie Google und Apple die klassischen Automobilhersteller heraus, indem sie selbstfahrende Fahrzeuge entwickeln. Vor diesem Hintergrund hatte Winterkorn bereits vor einem Jahr Gedanken an eine Neustrukturierung des Wolfsburger Konzerns anklingen lassen.

Unklar ist noch, wie die neue Struktur aussehen soll. Reuters hatte unlängst berichtet, Winterkorn könnte ein Modell wiederbeleben, die unter seinem Vorgänger Bernd Pischetsrieder entwickelt wurde: die sogenannten Markenwelten. Mit ihnen hatte Winterkorn bei seinem Amtsantritt vor acht Jahren experimentiert. Damals hatte er die Pkw-Marken zunächst in eine Premiumgruppe mit Audi, Bentley, Bugatti und Lamborghini und eine mit VW, Skoda und Seat zusammengefasst. Nun könnten bestimmte Marken nach dem jeweiligen Baukastenprinzip zusammengefasst werden, das sie verwenden. Insgesamt gibt es davon drei: den Modularen Querbaukasten (MQB) für Fahrzeuge vom Golf bis zum Passat, den Längsbaukasten (MLB) für größere Wagen von Audi und den Sportbaukasten. Denkbar ist, dass sich Winterkorn dieses Prinzip auch bei der Organisation des Vorstands zu eigen macht. Den Einstieg in eine stärkere Dezentralisierung hatte der Konzern vor kurzem mit der Gründung Holding für die beiden Lkw-Töchter MAN und Scania gemacht. Die Dachgesellschaft wird von dem früheren Daimler -Manager Andreas Renschler geleitet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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