Vorstand soll vertrauliche Informationen ausgeplaudert haben
MVV-Aufsichtsrat untersucht möglichen Geheimnisverrat

MVV Energie kommt nicht zur Ruhe. Der Aufsichtsrat des Regionalversorgers geht dem Verdacht nach, dass einer seiner Vorstände mehrfach vertrauliche Informationen aus dem Unternehmen an die Medien ausgeplaudert hat.

HB STUTTGART. Auf einer Krisensitzung befasste sich der Aufsichtsrat am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb einer Woche mit dem Fall, wie das Unternehmen in Mannheim mitteilte. Er habe sich zwar nach einer mehrstündigen Sitzung dagegen entschieden, Anzeige wegen des angeblichen Geheimnisverrats zu erstatten. Die Vorgänge sollen aber offenbar personelle Konsequenzen haben: Auf einer dritten Sitzung sollten „Führungsfragen“ erneut zur Sprache kommen. „Eine Entscheidung hierüber war aus formalrechtlichen Gründen nicht möglich“, hieß es in der Mitteilung.

Nach Paragraph 404 des Aktiengesetzes kann die Weitergabe vertraulicher Informationen aus dem Vorstand zwar strafrechtlich verfolgt werden. Bei börsennotierten Gesellschaften drohen dafür bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Die Initiative für eine strafrechtliche Verfolgung muss dabei aber vom Aufsichtsrat ausgehen. MVV wollte sich nicht äußern, gegen welchen Vorstand sich die Vorwürfe richteten.

Eine mit dem Streit vertraute Person sagte, in der Sitzung sei es um gestörtes Vertrauen im Führungsgremium gegangen. Das Verhältnis zwischen Vertriebsvorstand Karl-Heinz Trautmann und Vorstandschef Rudolf Schulten gilt seit längerem als getrübt. Trautmann war nicht zu erreichen. Ein MVV-Sprecher sagte, er sei nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Der Vertriebschef war vor Schultens Amtsantritt vor drei Jahren ebenfalls als Vorstandschef gehandelt worden, unterlag aber dem früheren Bewag-Manager. Die Verträge beider Vorstände laufen bis Ende September 2008. Schulten war als Sanierer zu MVV geholt worden. Der Manager verordnete dem Unternehmen eine Schlankheitskur, kostspielige Randaktivitäten wurden veräußert oder eingestellt. Der Vorstandschef will dem Versorger auch eine neue Konzernstruktur verpassen, in der sämtliche Stadtwerke-Beteiligungen unter das Dach einer Holding schlüpfen sollen.

Der Stadtwerkeverbund ist Deutschlands fünftgrößter Energieversorger und gehört mehrheitlich der Stadt Mannheim. Die verschuldete Stadt hält noch gut 66 Prozent des Kapitals und hat damit bei MVV das Sagen. Im Zuge einer geplanten Kapitalerhöhung wird dieser Anteil um zehn Prozent abschmelzen, der Streubesitz wird steigen. „Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Stadt Mannheim bei der MVV Energie die Mehrheit aufgibt“, bekräftigte Schulten in der „Börsen-Zeitung“ seine Einschätzung.

Mit der von Hauptversammlung und Aufsichtsrat bereits genehmigten Kapitalerhöhung will sich MVV trotz des als günstig eingeschätzten Börsenklimas noch Zeit bis 2007 lassen. Es sei ein Vorlauf von mindestens drei Monaten nötig. „Daher wird die Kapitalerhöhung nicht mehr in diesem Kalenderjahr, aber noch in diesem Geschäftsjahr erfolgen“, sagte Schulten. Das MVV-Geschäftsjahr endet am 30. September. Die Kapitalerhöhung könnte gut 200 Mill. Euro in die Kassen des Versorgers spülen und soll in die Expansion in der Müllverbrennung und in den Erwerb weiterer Stadtwerke fließen.

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