VW-Abgas-Skandal
Volkswagen informiert Kunden mit Halbwahrheiten

In einem internen Dokument gibt Volkswagen den VW-Händlern vor, wie sie auf Fragen der Kunden zum Skandal reagieren sollen. In der Sprachregelung sind die Händler angehalten, Halbwahrheiten zu verbreiten.

Zwei Wochen nach Bekanntwerden des VW-Skandals um erhöhte Emissionen von Dieselmotoren, hält Volkswagen seine Händler an, Halbwahrheiten zu verbreiten. In einer Sprachregelung vom 2. Oktober gibt der Konzern den VW-Händlern vor, wie sie auf Fragen der Kunden zum Skandal reagieren sollen: Das interne Dokument zur „Servicemaßnahme 23Q2“ liegt der Wirtschaftswoche vor. Die dort formulierte Antwort auf die Frage, welche Fehler die betroffenen Fahrzeuge aufweisen, lautet: „Das Fahrzeug weist keinen Fehler auf“. Es würden lediglich „die EU5-Zulassungswerte der Stickoxide nicht eingehalten“.

Dass die betroffenen Fahrzeuge die gesetzlich vorgeschriebenen Emissionsgrenzen nicht einhalten können, ist nach Ansicht von Monika Jungbluth, Mobilitätsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Berlin, „nicht nur ein Fehler, sondern ein klarer Mangel“.

Auf die Frage, ob die Autos nach der Reparatur im Rahmen eines Rückrufs andere Fahreigenschaften haben oder mehr Sprit verbrauchen, sollen die VW-Händler ausweichend antworten: „Unser Ziel ist es, diesbezüglich keine Fahrverhaltensänderungen hervorzurufen.“

Tatsächlich könnten, wie aus Wolfsburg verlautet, Dieselautos mit 1,2 und 1,6 Liter Hubraum nach der Servicemaßnahme mehr Sprit verbrauchen oder geringere Agilität zeigen. Fragen nach Entschädigungsansprüchen oder einer Rückgabemöglichkeit sind in Europa bislang nicht geplant. Denn, so die Sprachregelung: „Auch nach der Fahrzeugumrüstung entspricht das Fahrzeug uneingeschränkt den Anforderungen.“

Derweil werden im Kreis der VW- und Audi-Händler erste Forderungen nach finanziellen Kompensationen laut. Im Gespräch mit der Wirtschaftswoche verwies der Inhaber einer großen Handelskette im Rheinland auf die zu erwartenden Mehrbelastungen für seine Werkstätten durch den Rückruf von 60.000 Kundenfahrzeugen.

Zudem müsse VW für den zu erwartenden Wertverlust des Gebrauchtwagenbestandes geradestehen. Einen offiziellen Forderungskatalog des VW- und Händlerverbandes gibt es bislang nicht: Verbandssprecher Dirk Weddingen von Knapp will erst die Angebote des Konzerns abwarten.

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