VW-Abgasskandal
Ex-Audi-Manager in Deutschland festgenommen

Die US-Justiz hat Strafanzeige gegen einen ehemaligen Audi-Manager erhoben. Sie wirft ihm Verschwörung zum Betrug und Verstöße gegen US-Umweltrecht vor. Der Italiener wurde offenbar bereits in Deutschland festgenommen.
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Washington/DüsseldorfDer Diesel-Skandal zieht weitere Kreise: Das US-Justizministerium erstattet Strafanzeige gegen einen ehemaligen Audi-Manager. Er soll sich „wissentlich an einer Verschwörung beteiligt haben, die von 2006 bis November 2016 oder länger andauerte“, heißt es in der Klageschrift. Das teilte das Justizministerium am Donnerstag in Washington mit.

Ziel der Verschwörung sei es gewesen, „die Vereinigten Staaten zu betrügen durch die Beeinträchtigung und die Verhinderung der gesetzlichen Funktionen der EPA“. Ziel sei auch gewesen, die VW-Kunden zu betrügen und gegen den Clean Air Act zu verstoßen.

Die Staatsanwaltschaft München II bestätigte am Freitag die Festnahme eines Audi-Mitarbeiters wegen des Verdachts des Betrugs und der unlauteren Werbung. Die namentlich nicht genannte Person wurde demnach bereits am Montag von der Polizei festgesetzt und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl wurde kurz zuvor vom Amtsgericht München ausgesprochen. Über die Identität des Inhaftierten sagte die Staatsanwaltschaft nichts. Nach Informationen des Handelsblatts handelt es sich um den 60-jährigen Italiener Giovanni P. „Spiegel Online“ hatte als erstes über die Festnahme berichtet.

Der Haftbefehl sei nicht auf Bitte der amerikanischen Behörde erlassen worden, sondern fuße auf eigenen Ermittlungen, sagte eine Justizsprecherin. Ermittelt werde zwischenzeitlich gegen mehrere Beschuldigte. Details nannte sie nicht, fügte aber hinzu: „Gegen Mitglieder des Vorstands wird nicht ermittelt.“ Weder Audi noch VW wollten sich äußern.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor einigen Monaten die Vorstandsetage von Audi sowie Büros des Mutterkonzerns Volkswagen durchsucht. Auch die von VW mit der Aufklärung des Abgasskandals beauftragte US-Kanzlei Jones Day bekam Besuch von Ermittlern.

Der Diesel-Skandal ist den Wolfsburgern bereits teuer zu stehen gekommen. Im September 2015 hatte die amerikanische Umweltbehörde EPA Volkswagen erstmals öffentlich vorgeworfen, in großem Stil Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben. Dies stürzte VW in die tiefste Krise seiner Geschichte und führte zu enormen Kosten.

Mittlerweile hat sich der Konzern mit Kunden, Autohändlern, Behörden und dem Justizministerium in den USA im Rahmen von Vergleichen auf Strafen und Entschädigungen in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar geeinigt. Das verhindert aber nicht, dass die US-Behörden einzelne Manager zur Rechenschaft ziehen.

Giovanni P. war nach Bekanntwerden des Dieselskandals zunächst beurlaubt und dann fristlos entlassen worden. Der frühere Audi-Manager hat laut der Klageschrift zwischen 2002 und 2015 die Sparte Thermodynamik in der Diesel-Motor-Entwicklung in Neckarsulm geleitet. Sein Team sei verantwortlich gewesen, die Emissionskontrollen zu entwerfen, um die Standards unter anderem für Stickstoffoxide zu erfüllen.

Der Mann und seine „Mitverschwörer“ hätten jedoch realisiert, dass sie die Anforderungen nicht erfüllen könnten. Um die Autos trotzdem in den USA zu verkaufen, hätten sie „Software-Funktionen eingebaut, um die Standard-Emissions-Tests in den USA zu hintergehen.“

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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