VW-Betriebsversammlung
St. Angies Messe im Kampf gegen Porsche

Schulterschluss gegen Porsche: Wie Betriebsratschef Bernd Osterloh, Vorstandsboss Martin Winterkorn und Landesvater Christian Wulff in Halle 11 des VW-Stammwerkes die Kanzlerin Angela Merkel im Kampf gegen Porsche zur Verbündeten machten.

WOLFSBURG. "Wir werden weiter kämpfen", versprach die Bundeskanzlerin zum Abschied. Nach einer guten Dreiviertelstunde verließ Angela Merkel (CDU), in modisch violettem Jackett, zu weißem T-Shirt und schwarzer Hose, die Halle 11 des VW-Stammwerks in Wolfsburg - Schauplatz der 205. Betriebsversammlung in der Geschichte des Autobauers. "Die kommt ganz anders rüber als im Fernsehen", sagte eine beeindruckte VW-Werkerin, gestärkt von Würstchen und Kasseler, angeheizt vom firmeneigenen Blasorchester.

Doppelter Zauber: Angie, deren Spitzname ein gelbes Pappplakat in der Reihe vor dem Podium, auf dem VW-Betriebsrat und -vorstand vereint saßen, zierte, hatte es mal wieder geschafft und die Herzen einer skeptischen Menge erobert. Und die emotionale Wucht von mehr als 18 000 VW-Mitarbeitern, stellvertretend für 364 000 Werker weltweit, bewegte die Kanzlerin zu klareren Worten als erhofft, wie ein Betriebsrat genüsslich quittierte.

Ganz so, wie es Merkels Parteifreund und niedersächsischer Ministerpräsident Christian Wulff, vorausgesagt und Betriebsratsboss Bernd Osterloh, ein Sozialdemokrat, in seinem Kampf um Volkswagens Einfluss im neuen Autoreich von Porsche taktisch geplant hatte: Eine Messe, die die Reihen gegen Porsche schließt, mit dem Segen der Kanzlerin. "Dieses Signal strahlt weit über diese Halle hinaus", sagte Osterloh. Geschickt drehte er die Rollen um, stellte sich angesichts der Kritik am VW-Gesetz verbal wechselnd vor und hinter die Kanzlerin.

Sie könne sich ja nicht in interne Streitereien einmischen, hatte die CDU-Politikerin am Ende ihrer gut fünfzehnminütigen Rede auf dem Podium von Halle 11 gesagt, wo sonst Volkswagens Logistiker mit LKW und Gabelstaplern rangieren. Um sich dann doch unmissverständlich gegen die Forderungen aus der Porsche-Zentrale in Stuttgart zu positionieren. "Die Württemberger sagen, sie könnten alles außer Hochdeutsch. Sie können alles, was die können. Und noch dazu Hochdeutsch", rief sie einem begeistert applaudieren VW-Publikum zu.

Mehr Einigkeit war selten. Die Betriebsversammlung am Dienstag zwischen zehn und elf Uhr erwies sich als die intendierte volle Breitseite gegen Volkswagens württembergischen Großaktionär Porsche. "Das Spätzleländle hätte hier gern eine verlängerte Werkbank. Das sehen wir im Norden anders", sagte Grünen-Vizefraktionschef Jürgen Trittin dem Handelsblatt. Mit Wohlwollen reagierte der Oppositionspolitiker mit Wahlkreis im südniedersächsischen Göttingen auf Merkels Einsatz für das neue VW-Gesetz. "Wir kämpfen parteiübergreifend", sagte der ehemalige Umweltminister der Regierung Schröder, über ihn spannte sich in Halle 11 ein Transparent mit passender Botschaft: "Volkswagen, der Herzschlag Niedersachsens".

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