VW-China-Chef Neumann
„GM ist für mich der wichtigste Konkurrent“

Karl-Thomas Neumann verantwortet seit 2010 bei VW das China-Geschäft und ist damit Herr über den wichtigsten Absatzmarkt des Autobauers. Nach gut einem Jahr in Peking zieht der Manager im Interview eine erste Bilanz.
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PekingHandelsblatt: Herr Neumann, welchen Eindruck haben Sie nach mehr als einem Jahr in Peking von China gewonnen?

Karl-Thomas Neumann: Mich begeistert die Aufbruchstimmung in China, die oft schnelle Lösungen hervorbringt. Der Bau unserer Fabriken etwa funktioniert ebenso reibungslos wie die Anläufe der neuen Modelle. Die Mitarbeiter arbeiten mehr als 300 Tage im Jahr. Das ist ein großer Einsatz.

Wo liegen Ihre Prioritäten als China-Chef von Volkswagen?

Neben dem Ausbau unseres Geschäfts und der Produktion umweltfreundlicher Autos liegen mir eine gute Ausbildung nach dem deutschen Vorbild des dualen Systems und ein soziales Netz für unsere Mitarbeiter am Herzen. Deshalb will ich mich stärker um die Personalarbeit unserer chinesischen Gemeinschaftsunternehmen kümmern. Bisher haben das vorwiegend unsere einheimischen Joint-Venture-Partner getan.

Die beiden chinesischen Joint Ventures Ihres Konzerns beschäftigen gut 50.000 Mitarbeiter. Haben die unter staatlichem Druck zu leiden?

Nein, unsere chinesischen Mitarbeiter nehme ich als sehr selbstbewusst und engagiert wahr. 

Welchen Eindruck machen die Politiker auf Sie?

Auf der chinesischen Seite gibt es ein neues Selbstbewusstsein. Ein starkes qualitatives Wachstum rückt dabei immer stärker in den Mittelpunkt. Als größter Autohersteller des Landes begleiten wir das konstruktiv.

Handelsblatt: Sie lernen Chinesisch, um Ihr Interesse an dem Land zu zeigen. Wie weit sind Sie?

Neumann (lacht): Die Sprache zu lernen gestaltet sich schwieriger als erwartet. Aber ich bleibe dran. Im Restaurant kann ich auf Chinesisch bestellen und die Rechnung ordern.

Können Sie als Marathonläufer trotz der Luftverschmutzung in Peking frei laufen?

Meist trainiere ich mit einem Laufband in unserer Wohnung in Peking. Dazu habe ich eine App, die mir die Luftbedingungen in Peking anzeigt. Wenn es die Luftqualität zulässt, laufe ich lieber in einem der schönen Parks. Meist ist das Wetter aber vor allem dann gut, wenn ich unterwegs bin.

China ist für Volkswagen der wichtigste Markt der Welt. Vergangenes Jahr hat Ihr Konzern dort gut 1,9 Millionen Autos verkauft. Und sie legen weiter kräftig zu. Welchen Absatz peilen Sie 2011 an?

Der Absatz steigt kräftig. Die Hürde von zwei Millionen Fahrzeugen überspringen wir in diesem Jahr wohl deutlich, die Richtung stimmt. Momentan sind viele unserer Modelle ausverkauft und unsere Joint Ventures fahren umfangreiche Extra-Schichten, um der hohen Nachfrage nachzukommen. Derzeit ist jedes nicht gebaute Auto ein nicht verkauftes Auto.

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