VW-Hauptversammlung
Wolfsburger Eintracht

Zur Stunde treffen sich die VW-Aktionäre zur Hauptversammlung. In den vergangenen Jahren war das stets eine turbulente Veranstaltung. Doch dieses Mal ist alles anders: Es herrscht Harmonie. Keine Spur mehr von Grabenkämpfen in Vorstand oder Aufsichtsrat. Selbst das, was noch nicht zusammengehört, wird zusammengefügt.

HAMBURG. Nur wenige Stufen muss der VW-Aktionär erklimmen, um die Zukunft der europäischen LKW-Branche zu sehen. Wer die Treppe des Hamburger Kongresszentrums hinauf geht, wird empfangen von zwei Brummis und einem Bus der Marken VW, Scania und MAN – einträchtig nebeneinander. Der Blick in die Gesichter einiger Aktionäre deutet darauf hin, dass sie sich fragen, ob sie etwas verpasst haben. Nein, haben sie nicht, wird ihnen wenig später in der Hauptversammlung klar. Noch sind VW, Scania und MAN kein gemeinsamer Konzern, auch wenn der Urvater der Idee, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, mit seinem tonnenschweren Brummi-Spalier etwas anderes suggeriert. Alles gehört zusammen, alles fügt sich, will er den Anteilseignern damit signalisieren.

Dass sich alles fügt, dass nach Grabenkämpfen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat innerhalb eines Jahres aus VW eine harmonische Familie geworden ist, spüren die Investoren auch im Saal der Hauptversammlung. Mit weit ausgebreiteten Armen geht Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff als Vertreter des nach Porsche zweitgrößten VW-Aktionärs Niedersachsen zu. Man scherzt, man lacht laut, Wiedeking schlägt Wulff mit der Faust leicht auf die Brust. Man könnte meinen, alte Schulfreunde treffen sich nach Jahren wieder.

Dabei haben die beiden bereits am Vortag den Nachmittag und den Abend miteinander verbracht. Erst war Aufsichtsratssitzung, die in rekordverdächtiger Zeit von 90 Minuten in „voller Harmonie“ über die Bühne gegangen ist. Danach traf man sich im feinen Restaurant Louis Jacob mit Blick auf die Elbe, um zu feiern. Nicht nur die neue Harmonie, sondern auch den 70.Geburtstag des VW-Patriarchen Piech. Man kennt sich, man mag sich.

Da will auch der neue Konzernchef Martin Winterkorn nicht hintanstehen. Er leistet dem Duo auf dem Podium Gesellschaft, man klopft Schultern und befriedigt das Interesse der Fotografen: Winterkorn, der den in einer Nacht- und Nebelaktion des Aufsichtsrats den abservierten Bernd Pischetsrieder seit Anfang des Jahres an der VW-Spitze ersetzt hat, nimmt Wulff links und Wiedeking rechts in den Arm und tritt nach vorne. Blitzlichtgewitter für ein glückliches Trio.

Seite 1:

Wolfsburger Eintracht

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%