VW in China
Freie Fahrt für Elektroautos

China ist der Leitmarkt für Elektromobilität. Volkswagen fuhr den Konkurrenten bislang nur hinterher. Das soll sich ändern. Denn Behörden haben Europas größtem Autobauer nun die Lizenz erteilt, dort E-Autos zu bauen.
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Volkswagen hat eine wichtige Hürde in seiner Elektro-Offensive in China genommen. Pekings oberste Planungsbehörde erteilte dem Gemeinschaftsunternehmen des deutschen Autobauers mit dem chinesischen Partner Jianghuai Automobile Group (JAC) die nötige Lizenz für den Bau von Elektroautos, wie beide Unternehmen dem Handelsblatt bestätigten. VW hat angekündigt, im kommenden Jahr die ersten reinen Elektroautos in China zu verkaufen. Der erste rein batteriebetriebene Wagen unter einer neuen Marke soll bald vom Band rollen.

Das Joint Venture von Volkswagen und JAC soll künftig 100.000 E-Autos im Jahr produzieren, wie der chinesischen staatlichen Autobauer mitteilte. Dazu hätte beide Seiten eine Zusammenarbeit über 25 Jahre besiegelt. Das Investitionsvolumen des Gemeinschaftsprojektes betrage mehr als 5 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 650 Millionen Euro). Ein Volkswagen-Sprecher in Peking bestätigte zwar den Abschluss eines Abkommens, wollte sich jedoch nicht zur Höhe des Investitionsvolumens äußern.

Die E-Autos unter einem neuen Markennamen sollen auf dem Produktionsgelände von JAC hergestellt werden. Fertigungsanlage und ein Entwicklungszentrum würden in der Nähe der Firmenzentrale von JAC in Hefei, der Hauptstadt der Provinz Anhui entstehen, teilte der Autobauer mit.

Die Wolfsburger hängen in China beim Thema Elektromobilität zurück. Um das zu ändern, hatte Volkswagen-China-Vorstand Jochem Heizmann angekündigt, 2020 rund 400.000 E-Autos und Hybride, also mit Batterie und Verbrennungsmotor, in der Volksrepublik verkaufen zu wollen. Fünf Jahre später sollen es sogar 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge sein.

China ist der globale Leitmarkt für Elektromobilität. Im vergangenen Jahr wurden 507.000 E-Autos und Hybride verkauft, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch stützt die Regierung den Markt mit üppigen Kaufprämien. Künftig will der Staat alle Autobauer im Land mit einer Quotenregel zum Verkauf von Elektroautos zwingen.

Nach einer Intervention von Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die chinesische Führung zwar versprochen, die Quotenregel zu entschärfen. In den vergangenen Wochen machten chinesische Politiker jedoch wieder Druck. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen will Chinas Premier Li Keqiang, dass die Europäer sein Land als Marktwirtschaft einstufen – allerdings zu den Bedingungen seines Landes. Bei seinem Berlin-Besuch Ende Mai will er seiner Forderung Nachdruck verleihen: China könnte die in Aussicht gestellten Vorteile für deutsche Autobauer beim Verkauf von Elektroautos zurücknehmen. Das wäre aus deutscher Sicht Wortbruch.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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  • Zitat:
    "Künftig will der Staat alle Autobauer im Land mit einer Quotenregel zum Verkauf von Elektroautos zwingen."

    Ohne Zwang scheint im Bereich der Batterieautos nicht viel zu gehen. Was bedeutet das denn in der Praxis? Verkaufen die Autobauer die E-Mobile dann unter Einstand, wenn feste Quoten vorgeschrieben sind und die Kunden die E-Mobile nicht freiwillig nachfragen? Wäre das dann eine Blaupause für die EU? :)

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