VW und der Abgas-Skandal
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Datenlöschung

Ein VW-Mitarbeiter soll vor Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen Kollegen aufgefordert haben, Dokumente und Daten zu löschen. Laut Staatsanwaltschaft Braunschweig wurde dem auch nachgekommen. Jetzt wird ermittelt.

Braunschweig/WolfsburgDie Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter von Volkswagen wegen des Löschens von wichtigen Daten im Abgasskandal bestätigt. „Es gibt ein Verfahren gegen einen Mitarbeiter von VW, der im August 2015 verklausuliert Hinweise darauf gegeben haben soll, dass Mitarbeiter die Daten, was die Dieselproblematik angeht, löschen oder zumindest entfernen sollen“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe, am Donnerstag. Er bestätigte damit einen Bericht von NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“.

Wie sich aus den Ermittlungen ergebe, sei diese Aufforderung teilweise befolgt worden. Es gebe daher einen Anfangsverdacht der versuchten Strafvereitelung und der Urkundenunterdrückung.

Nach dem Bericht von NDR, WDR und „SZ“ handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen hochrangigen VW-Juristen, der mit Rechtsfragen der Produktsicherheit in den USA befasst war. Die Aufforderung zur Aktenbeseitigung soll etwa eine Woche gegolten haben. Dann sei von der VW-Rechtsabteilung des Unternehmens ein „litigation hold“ verschickt worden, eine Aufforderung nach US-Recht, Daten für einen eventuellen Prozess zu sichern. Anfang September wurden die US-Behörden dann über den Betrug informiert. Ein Konzernsprecher sagte auf Anfrage von Reuters, man äußere sich nicht zu laufenden Ermittlungen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der jetzt Beschuldigte die Datenlöschung im August 2015 veranlasst haben, also kurz vor Bekanntwerden der Manipulation von Dieselabgaswerten in den USA. Daten wurden nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen zum Teil auf Speichersticks ausgelagert, wie Ziehe weiter erklärte. Die Sticks seien inzwischen mindestens zum Teil wieder zurückgegeben worden. „Wir gehen bislang von keinem größeren Datenverlust aus, der die Ermittlungen maßgeblich behindern oder verzögern könnte“, ergänzte er. Deswegen werde auch nur wegen versuchter Strafvereitelung ermittelt.

Die Ermittlungen waren laut Aufsichtsrat Olaf Lies bereits Thema im Kontrollgremium von Volkswagen. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte der niedersächsische SPD-Wirtschaftsminister am Donnerstag im Landtag in Hannover.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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