VW und Dieselgate
Auch Audi setzt auf Schummel-Software

Der Skandal um die Manipulation von Abgas-Werten weitet sich immer weiter aus: Am Montagabend hat auch die VW-Tochter Audi die Installation einer Software zugegeben, die von den US-Behörden als illegal angesehen wird.
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IngolstadtDer Autobauer Audi hat im Abgas-Skandal der Konzernmutter Volkswagen die Installation einer Software zugegeben, die in den USA als illegales Schummelprogramm gilt. Das Unternehmen teilte am Montagabend mit, den US-Behörden bei der Zulassung von 3,0-Liter-Diesel-Autos insgesamt drei Software-Programme nicht offengelegt zu haben.

Eines davon werde nach geltender US-Gesetzgebung als „Defeat Device“ betrachtet. Als Defeat Device bezeichnen die US-Umweltbehörden EPA und Carb verbotene Programme zur Manipulation von Abgas-Messwerten bei Emissionstests.

Betroffen sind insgesamt 85.000 Autos der Marken Audi, Porsche und VW aus den Modelljahren 2009 bis 2015. Audi hatte den Motor entwickelt und in den USA in den Modellen A6, A7, A8, Q5 und Q7 eingebaut. Volkswagen setzt den Motor im Touareg und Porsche seit dem Modelljahr 2013 im Cayenne ein. „Alle betroffenen Modelle sind technisch sicher und fahrbereit“, betonte Audi in einer Stellungnahme. Der Verkauf dieser Modelle wurde bereits gestoppt, daran werde sich auch „bis auf weiteres“ nichts ändern, hieß es.

Audi will nun die Software „überarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA neu zur Genehmigung vorlegen“, teilte der Autobauer mit. Das werde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Das Eingeständnis ist eine bemerkenswerte Kehrtwende im Emissionsskandal. EPA und Carb hatten dem VW-Konzern Anfang November vorgeworfen, auch in einigen Drei-Liter-Fahrzeugen Defeat Devices eingebaut zu haben. Zunächst bestritt der Autobauer die neuen Vorwürfe. Das Dementi wurde laut Konzernkreisen vom Vorstand besiegelt. Das war ein Fehler, wie sich nun heraus stellt.

Mitte September hatte der VW-Konzern eingeräumt, bei Zwei-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben. Das betrifft 482.000 Fahrzeuge in den USA.

Erst am Freitag hatten sich die Regulierer dann mit weiteren Vorwürfen an den Autokonzern gewandt. Die verdächtige Software sei nicht nur – wie bis dahin angenommen – in den Drei-Liter-Motoren der Modelljahre 2014 bis 2016. Die Software sei bereits von 2009 an eingebaut worden, teilten die Behörden mit und kündigten weitere Untersuchungen an.

„Die Behörden bestehen weiterhin darauf, dass VW und Audi so schnell wie möglich eine effektive und angemessene Lösung entwickelt, die für die Autobesitzer nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden ist“, sagte eine EPA-Sprecherin. Potenzielle Strafen und Entschädigungen würde die Behörde im Rahmen der Ermittlungen mit dem US-Justizministerium ermitteln, hieß es.

Carb-Chefin Mary Nichols pochte vergangene Woche im Interview mit dem Handelsblatt darauf, dass die Wolfsburger auch Schritte einleiten müssen, um die Umweltschäden durch die zusätzlichen Emissionen zu kompensieren.

Unterdessen kommt VW in Europa bei der Bewältigung des Skandals voran. Für mehr als 90 Prozent der betroffenen Konzernfahrzeuge in Europa seien inzwischen Lösungen bestätigt, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Montag in Wolfsburg vor rund 1000 Führungskräften. Dabei sei der Aufwand für die Nachrüstung „technisch, handwerklich und finanziell überschaubar“.

Bei Autos mit 1,6-Liter-Motoren sind demnach laut Müller keine „grundlegenden Eingriffe“ am Motor notwendig - wie VW zunächst angenommen habe. Für die Autos seien neben einem Software-Update zwar auch Hardware-Maßnahmen erforderlich. Dabei gehe es aber um „relativ einfache Veränderungen“ am Luftgitter beziehungsweise an der Luftfilterkassette, sagte Müller in der Rede.

Bei den anderen Motorvarianten, denen mit 1,2- und Zwei-Liter-Hubraum, reicht nach VW-Angaben ein Update der Abgas-Software. Für Autos mit Zwei-Litern-Hubraum hatte VW dies bereits mitgeteilt. Für Fahrzeuge mit 1,2-Liter-Motoren soll VW bis Ende November Lösungen vorschlagen. Auch hier genüge aber voraussichtlich ein Softwareupdate, hieß es.

In ganz Europa müssen 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Nach früheren dpa-Informationen sind europaweit rund drei Millionen Fahrzeuge mit dem 1,6-Liter-Diesel unterwegs. Die größere Variante mit 2,0-Litern-Hubraum kommt auf etwa 4,6 Millionen Fahrzeuge, 340.000 haben den kleinen Motor mit 1,2 Litern. Zusätzlich zu diesen insgesamt rund acht Millionen Wagen mit Euro-5-Norm ruft VW freiwillig 500.000 Diesel zurück, die nur die Normen Euro 3 und Euro 4 erfüllen.

In Deutschland muss VW wegen des Abgas-Skandals insgesamt 2,4 Millionen Wagen in die Werkstätten rufen. Die Aktion soll Anfang 2016 beginnen. Es geht um verschiedene Motoren- und Fahrzeugmodelle.

Bei der Abgas-Software geht es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Außerdem aber hatte VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Konzernchef Müller kündigte an, Mitte Dezember einen Zwischenbericht zum Skandal vorlegen zu wollen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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  • @ Herr Walter Schimpf24.11.2015, 10:20 Uhr

    "... Gutmensch-Denke. Ich lasse mal dahin gestellt ... grobe Fahrlässigkeit, Vorsatz oder technische Inkompetenz ... .
    Der[n] Schaden von 154 oder mehr Menschenleben im Vergleich zu ... würde ich als deutlich gravierender einstufen."
    -----

    Was ist das denn für eine "Denke" und Art der "Argumentation"?
    Hauptsache was gegen Frau Monika Forro geschrieben - ihre "Gutmenschen-Denke" verzichtet - s. Zitat

    "Ich lasse mal dahin gestellt ... grobe Fahrlässigkeit, Vorsatz oder technische Inkompetenz. "

    - explizit darauf, die Hinter- und Beweggründe, die zu einem Schaden geführt haben, in den Blick zu nehmen zu dessen Beurteilung. Wie soll Sie so einer denn Ernst nehmen mit ihren Beurteilungen?

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