VW und Porsche
Der Zank der Multimilliardäre

Beim Drama um die Zukunft von VW und Porsche ringen nicht nur zwei Konzerne um die Hoheit – es ist auch der Machtkampf zwischen den beiden Linien des mächtigen Sportwagen-Clans, der da ausgefochten wird. Im Machtkampf der Industriellendynastie Porsche-Piëch neigt sich die Waagschale in Richtung Piëch.

STUTTGART/FRANKFURT. Der Einstieg beim Wolfsburger Autokonzern hat die beiden mächtigsten Männer der Familien, Wolfgang Porsche und seinen Cousin Ferdinand Piëch, zu Kontrahenten werden lassen. Mit einer Übernahme von Porsche durch VW wäre der 72-Jährige VW-Patriarch Piëch endlich am Ziel – ob es aber wirklich so kommt, wird die Öffentlichkeit wohl erst am Donnerstag nach den außerordentlichen Aufsichtsratssitzungen der Unternehmen endgültig wissen.

Die Geschichte des Familiendramas Porsche gegen Piëch ist lang. Schon immer war das Kräfteverhältnis der Familien schwierig – und das Verhältnis zu VW ein besonderes. Gemeinsam mit Schwiegersohn Anton Piëch und seinem Sohn Ferry baut Ferdinand Porsche senior einst das Wolfsburger VW-Werk auf und erfindet den VW Käfer. Im Tausch gegen die Käfer-Rechte ringt Ferry Porsche nach dem Zweiten Weltkrieg dem damaligen VW-Chef Heinrich Nordhoff einen Exklusivvertrag als VW-Generalimporteur für Österreich ab. Das Erbe müssen sich die Kinder später teilen – es ist der Grundstein für die Doppeldynastie Porsche-Piëch.

Das historisch gewachsene, aber äußerst zerbrechliche Gefüge beruht auf Vertrauen und Einvernehmen, vor allem aber auf vielen Verträgen und juristischer Absicherung. Schon in den 70er-Jahren knallt es zwischen den Familien ein erstes Mal.

Der damalige Porsche-Chef Ferry engagiert schließlich einen Wiener Spezialisten für gruppendynamische Beratung und zitiert die gesamte Sippe auf das Zeller Schüttgut, den Familien-Stammsitz. Am Ende steht ein Kompromiss: Kein Mitglied der Familie darf ins Management des Sportwagenbauers, selbst Ferdinand Piëch muss seine Karriere bei Audi und später als Vorstandschef bei VW machen. Doch die Machtverhältnisse am Porsche-Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen sind klar geregelt. Formell gehört die Mehrheit an der gemeinsamen Autoholding dem Porsche-Stamm. Der Familienzweig Piëch hat faktisch nur noch 38 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien an Porsche. Der Porsche-Clan kommt dagegen auf fast 62 Prozent.

Im Zweifelsfall hielten die mitunter streitbaren Familien letztlich aber immer zusammen: Wichtige Entscheidungen fällte der Clan stets einvernehmlich auf der höchsten Ebene, der Versammlung der rund 60 Familiengesellschafter. Hier verständigt sich die Familie auf eine Linie, die sie dann geschlossen im Porsche-Aufsichtsrat vertritt. Konflikte aus diesem Gremium sind in der Vergangenheit nie nach außen gedrungen. „Wir diskutieren hinter verschlossenem Vorhang vieles, aber letztlich sind wir uns einig, wenn es um wichtige Dinge geht“, sagte Ferdinand Piëch vor gut einem Jahr in einem seiner seltenen Magazin-Interviews. „Nur wenn man an einem Strang zieht, und zwar am gleichen Ende, ist man stark“, ergänzte Wolfgang Porsche.

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