Wachstumsprognosen angepasst
ABB hat Milliarden für Schnäppchen übrig

Der schweizerische Technologiekonzern ABB hat seine bislang bescheidenen Prognosen dem tatsächlichen Wachstum angepasst und gestern neue Ziele bekannt gegeben, die er bis zum Jahr 2011 erreichen will. Beim Umsatz rechnet ABB mit einem Wachstum von durchschnittlich acht bis elf Prozent. Vorrangiges Ziel sind preisgünstige Zukäufe.

ZÜRICH. Noch höher ist der Gewinn, den sich ABB künftig ausrechnet: Die Ebit-Marge der Schweizer soll zwischen elf und 16 Prozent liegen. Das Unternehmen, das sich vor allem auf die Energieübertragung und die Automatisierung innerhalb von Unternehmen konzentriert, ist in Europa der schärfste Konkurrent von Siemens. Entsprechend haben die positiven Aussichten, die ABB-Chef Fred Kindle gestern bei einem Investorentag in Zürich präsentierte, auch die Siemens-Aktie beflügelt. Die ABB-Aktie selbst verlor dagegen – ein Börsenmechanismus, der, wie Analysten erklärten, damit zu tun hat, dass die guten Aussichten bei ABB erwartet worden seien, bei Siemens dagegen nicht ganz so klar auf der Hand liegen. Das interessanteste an den neu formulierten Zielen sei, nun ein „Gefühl dafür zu bekommen, wie nachhaltig die Profitabilität bei ABB sei“, sagte Alessandro Migliorini vom Schweizer Analystenhaus Helvea.

Hintergrund für das rasante Wachstum bei ABB ist ein Branchenboom bei den Konzernen, die im Energiegeschäft tätig sind. Hier verdient ABB das meiste Geld, weil auf der einen Seite in Europa und Amerika aus Angst vor „Blackouts“ Stromnetze erneuert werden und auf der anderen Seite in Asien und dem mittleren Osten Energiesysteme erst aufgebaut werden. ABB bietet hier nach Aussage von Forschungschef Peter Terwiesch Systeme an, die den Energieverlust, der etwa beim Transport von Strom entsteht, deutlich verringern. ABB wächst aber auch, weil der Konzern eine Krise hinter sich gelassen hat, in die er sich durch teure Zukäufe und ein von Astbestopfern angestrengtes Milliardenverfahren hineinmanövriert hatte.

Kindle kündigte an, das ABB für sein Wachstum innerhalb der nächsten fünf Jahre voraussichtlich 20 000 zusätzliche Mitarbeiter beschäftigen wird. „Wenn man die natürliche Fluktuation berücksichtigt, bedeutet das, dass wir 45 000 neue Leute einstellen müssen“, rechnete Kindle vor. Darüber hinaus prüfen Management und Verwaltungsrat laufend Akquistionsmöglichkeiten. „ABB könnte etwa zehn Mrd. Dollar für eine Übernahme aufwenden“, schätzt Panagiotis Spiliopoulos, Analyst bei der Schweizer Bank Vontobel. An die 100 Möglichkeiten seien in den vergangenen Monaten über seinen Schreibtisch gegangen, berichtete Kindle. Dabei sei es oft um Unternehmen mit mehr als einer halben Mrd. Dollar Umsatz gegangen. „Wir haben einige Tanzpartner gefunden, aber der Preis, um sie aufs Parkett zu bekommen, war uns zu hoch“, sagte der Konzernchef. Einige Möglichkeiten seien noch aktuell. Kindle schloss aus, dass ABB durch Übernahmen sein Geschäftsfeld erweitern wird. Es gehe eher darum, „technologische und regionale Lücken zu schließen“.

Falls innerhalb der nächsten Monate kein Kaufkandidat gefunden wird, kündigte Kindle an, Konsequenzen im Sinne der Aktionäre zu ziehen, womit Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe gemeint sind. Die Krise an den Finanzmärkten bezeichnete der Konzernchef als Chance. Vorher hatten Finanzinvestoren teilweise absurd hohe Preise geboten. Diese Zeiten, so hofft Kindle, seien nun vorüber.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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