Wäschehersteller
Joop darf nach Schiesser greifen

Der insolvente Unterwäschehersteller Schiesser wird in einem geordneten Verfahren verkauft. Der Gläubigerausschuss entschied sich nach Angaben des Unternehmens am Mittwoch dafür, einen Verkaufsprozess für den Feinripp-Hersteller einzuleiten. Daran wolle sich auch der bisherige Eigentümer, die schweizerische Industriellenfamilie Bechtler, beteiligen.

DÜSSELDORF, Der insolvente Wäschehersteller Schiesser soll verkauft werden. Das hat die Gläubigerversammlung in Konstanz entschieden, wie das Traditionsunternehmen aus Radolfzell am Bodensee mitteilte. An dem Verkaufsprozess wird sich auch die bisherige Eigentümerfamilie Bechtler beteiligen, der das Unternehmen über die Schweizer Holding Hestatex seit den 20er Jahren gehört.

„Ich rechne damit, dass der Verkaufsprozess sicherlich bis Anfang nächsten Jahres dauern wird“, sagte Insolvenzverwalter Volker Grub dem Handelsblatt. Dann werde der Käufer voraussichtlich zum 1. April 2010 offiziell neuer Eigentümer. Dass es so lange dauert, begründete er mit der komplizierten Situation. „Zu Schiesser gehören insgesamt 29 Einzelgesellschaften, für die wir die Zahlen aufbereiten müssen.“ Deshalb werde der Blick in die Bücher für potenzielle Investoren erst „in etwa vier bis sechs Wochen“ möglich.

Bisher gebe es 50 Anfragen, wovon erfahrungsgemäß etwa 20 zu den ernsthaften Bietern gehörten. Er habe aber noch keine Bewertung vorgenommen. Grub erwartet, dass weitere Interessenten hinzukommen. „Wir werden eine breite, internationale Akquisition vorbereiten. Schiesser ist als Marke nicht nur für Strategen, sondern auch für Kapitalinvestoren interessant.“ Er könne sich unter der Marke auch andere Produkte wie Schuhe vorstellen. Bislang gibt es Unterwäsche („Feinripp“), Bademoden und Sportbekleidung von Schiesser.

Zu den Kaufinteressenten gehört der Potsdamer Modedesigner Wolfgang Joop, der seine Beteiligung an Joop! schon lange verkauft hat und nun mit seiner eigenen Firma Wunderkind wieder im Geschäft ist.

„Wir freuen uns, dass es zum Verkauf kommt und stehen zu unserem Wort“, sagte Cathrin Wilhelm, geschäftsführende Gesellschafterin der Anthas GmbH dem Handelsblatt. Die Beteiligungsgesellschaft aus Potsdam verhandelt das Projekt im Namen der Investorengruppe, die Joop anführt. Sie hatten sich bereits im Mai mit Grub getroffen. „Sobald wir Einblick in die Finanzzahlen erhalten, können wir schnell ein Angebot abgeben“, sagte Wilhelm.

Wegen der vielen Interessenten hat Grub die Züricher Unternehmensberatung Helbling an Bord geholt. Mit dem international tätigen Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 64,2 Mio. Euro erreichte, hat Grub schon beim Verkauf anderer Firmen in Zusammenhang mit Insolvenzen zusammengearbeitet.

Schiesser, das im vergangenen Jahr mit 2465 Mitarbeitern einen Umsatz von 130 Mio. Euro. erzielte, hatte sich mit der Lizenzproduktion für große Marken verhoben. Die Zahl der Mitarbeiter liegt knapp unter 2000.

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