Weitere Übernahmen erwartet
Deutsche Firmen gehen auf Einkaufstour

Deutsche Unternehmen mutieren auf internationaler Bühne von Übernahmeopfern zu aggressiven Käufern – und ein Ende des Fusionsbooms scheint nicht in Sicht.

HB FRANKFURT. Nach Berechnungen der Schweizer Bank UBS gaben einheimische Konzerne in diesem Jahr erstmals seit 2001 mehr Geld für den Kauf ausländischer Firmen aus als umgekehrt. Diese Entwicklung werde auch in den kommenden Jahre anhalten, erwartet Hermann Prelle, einer der Leiter des Investment-Bankings der UBS in Deutschland.

Laut UBS kündigten ausländische Firmen seit Jahresbeginn Übernahmen in Deutschland von 20,4 Mrd. Dollar an. Umgekehrt planen deutsche Firmenchefs internationale Übernahmen im Wert von 103,5 Mrd. Dollar. Darin sind allerdings Transaktionen enthalten, die noch nicht abgeschlossen sind – so der Versuch von Eon, den spanischen Stromriesen Endesa zu schlucken. In trockenen Tüchern ist dagegen die Übernahme des britischen Gaseherstellers BOC durch Linde sowie der Kauf der amerikanischen Engelhard durch BASF.

Alle diese Transaktionen waren zumindest zu Beginn „feindlich“, weil sie nicht mit dem Vorstand des umworbenen Unternehmens abgesprochen waren. Prelle konstatiert hier einen Mentalitätswechsel in den Führungsetagen der Industrie. In der Vergangenheit hatten sich deutsche Manager mit feindlichen Übernahme extrem zurückgehalten. Zudem seien Industrieunternehmen immer öfter willens und in der Lage, bei Bieterwettkämpfen mit Finanzinvestoren aus der Private-Equity-Branche mitzuhalten. Deren Anteil an Fusionen und Übernahmen war in den vergangenen Jahre rapide gestiegen. In diesem Jahr geht nur noch etwa jede fünfte Übernahme auf das Konto von Finanzinvestoren.

Nach Meinung Prelles wird der Fusionsboom im kommenden Jahr anhalten. Selbst eine längere Schwächephase an den Börsen dürfte daran wenig ändern. Ein wichtiger Treiber seien die niedrigen Zinsen, welche die Finanzierung auch großer Transaktionen erleichtern. Insbesondere werde es mehr grenzüberschreitende Fusionen geben, glaubt Prelle.

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