Weiterer Rückschlag für den Lohnfertiger
Volkswagen bremst Karmann aus

Der Autozulieferer Karmann geht bei einem wichtigen Auftrag leer aus. Nur wenige Wochen vor der Entscheidung über die Zukunft der Osnabrücker Fahrzeugbausparte ist klar, dass Volkswagen sein geplantes neues Golf Cabrio nicht mehr von Karmann produzieren lassen wird. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hat VW entschieden, das Modell in Eigenregie zu fertigen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Offiziell wollte VW das nicht kommentieren. „Wir denken über weitere Golf-Derivate nach, auch über ein Golf Cabrio“, bestätigte Konzernchef Martin Winterkorn aber dem Handelsblatt. Das solle dann „schnell“ auf den Markt kommen. Intern gilt der Verkaufsstart für 2010 als beschlossen. Für Karmann ist das ein weiterer Rückschlag. Dem Zulieferer droht wegen fehlender Folgeaufträge die komplette Schließung des Fahrzeugbaus. Die Geschäftsführung hat die Entlassung von 1 770 Mitarbeitern am Stammsitz Osnabrück und in Rheine/Westfalen angekündigt. Bisher mussten rund 500 der 5 000 Mitarbeiter in Deutschland gehen. Produzierte Karmann vor vier Jahren noch 93 630 Autos, so waren es 2007 nur noch 41 767. Gibt es bis Ende Juni kein Signal für einen Neuauftrag für den Fahrzeugbau, werden die Lackiererei und die Fertigmontage in Osnabrück 2010 geschlossen – und wieder mehrere Hundert Mitarbeiter ihre Jobs verlieren.

Die IG Metall marschierte am Mittwoch am Katholikentag in Osnabrück mit rund 1 000 Teilnehmern zum Dom, um eine Fristverlängerung bis Herbst 2010 zu erreichen. „Wir erwarten von der Geschäftsführung, dass sie diesen zeitlichen Rahmen ausschöpft und alles tut, um die Arbeitsplätze zu sichern“, sagte Osnabrücks IG-Metall-Chef Hartmut Riemann. Das lehnt Karmann-Chef Peter Harbig ab, da mindestens 24 Monate für die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs nötig seien, die ungenutzten Anlagen aber maximal ein halbes Jahr instand gehalten werden könnten. Karmann will mögliche Verhandlungen nicht kommentieren, um kein Wechselbad der Gefühle entstehen zu lassen.

Harbigs Versuche, neue Fertigungsjobs ins Haus zu holen, scheiterten. Ende 2007 hatte Karmann im Tauziehen um die Produktion des geplanten Mini-Geländewagens von BMW gegenüber dem Rivalen Magna den Kürzeren gezogen. Ebenso bei dem Auftrag für den kommenden Aston Martin Rapide. Karmann hatte im Herbst 2007 mit einer eigenen Konzeptstudie auf Basis eines VW Polo vergeblich um Aufträge aus Wolfsburg geworben.

Mit Volkswagen verbindet Karmann eine jahrzehntelange Zusammenarbeit, die mit dem VW Käfer Cabrio begann. Auch die bisherigen drei Generationen des Golf Cabrio – wegen ihrer Überrollbügel „Erdbeerkörbchen“ genannt – wurden in Osnabrück gebaut. Insgesamt produzierte Karmann 600 765 Stück der verschiedenen Golf Cabriolets, deren letzte Auflage vor sechs Jahren eingestellt wurde.

VW-Chef Winterkorn besinnt sich jetzt wieder auf die Tradition eines offenen Golfs und bringt ihn zusätzlich zur Cabrio-Version des Käfer-Nachfolgers New Beetle und des höher positionierten Eos. Gebaut werden soll das Cabrio wohl in einem VW-Werk in Mitteleuropa. Karmann spürt so erneut den Trend unter den großen Herstellern, auch kleine Produktionsaufträge ins Haus zurückzuholen. „Für den ausgelagerten Fahrzeugbau sieht es schwierig aus“, prognostiziert Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

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