Weltgaskonferenz
Druck in der Leitung

Die Zuversicht der Branche ist ungebrochen: „Gas wächst“, sagte Shell-Chef Jeroen van der Veer gestern – und die Zustimmung im voll besetzten Auditorium des Amsterdamer Kongresszentrums war ihm gewiss.

AMSTERDAM. Alle drei Jahre kommen die wichtigsten Manager der Branche auf Einladung der International Gas Union (IGU) zur Weltgaskonferenz zusammen. Und wie vor drei Jahren sind sich die Experten in den Prognosen einig: Gas ist der fossile Energieträger mit den höchsten Wachstumsraten. Aber inzwischen machen sich auf den Mienen der Manager auch Sorgenfalten breit: Der rasant steigende Gaspreis drückt die Wachstumsprognosen etwas – und die Differenzen zwischen Europäischer Union und Russland über die Sicherheit der Gaslieferungen wirft zusätzliche Fragen auf.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet in ihrem jüngsten Weltenergiebericht aus dem vergangenen Herbst zwar nach wie vor mit einer überdurchschnittlich steigen-den Nachfrage. So soll der Verbrauch an Erdgas bis 2030 um jährlich 2,1 Prozent zulegen – die Energienachfrage insgesamt wird im selben Zeitraum nur um 1,6 Prozent pro Jahr steigen, Kohle und Öl sogar nur um 1,4 Prozent. Und der Anteil am Primärenergieverbrauch wird im selben Zeitraum um drei Prozentpunkte auf 24 Prozent wachsen. Ein Jahr zuvor war die IEA aber von einem noch rasanteren Wachstum ausgegangen.

Grund für den leichten Dämpfer ist der rasante Anstieg des Gaspreises, der traditionell an die Ölnotierungen gekoppelt ist – und den Energieträger verglichen mit den Konkurrenten teurer macht. „Im Gegensatz zu Öl hat Gas kein Monopol in seinem Schlüsselmarkt“, sagt Shell-Chef van der Veer, „es muss mit Kohle, Öl, Atom und den erneuerbaren Energien konkurrieren.“

Der größte Treiber der Gasnachfrage ist schließlich die Stromerzeugung. Weltweit sind im großen Stil Gaskraftwerke im Bau. Sie stoßen weniger Kohlendioxid aus als Kohleanlagen. Vor allem bei Newcomern sind sie beliebt, weil sie schnell zu bauen und vergleichsweise günstig sind. In Deutschland etwa haben neue Wettbewerber wie Statkraft, Concord oder Trianel allesamt auf Gasanlagen gesetzt. Aber der Preisvorteil gegenüber Kohle beim Bau der Anlage wird zunehmend von den teuren Betriebskosten aufgezehrt. „Bei den sehr hohen Gaspreisen denken die Investoren über alternative Brennstoffe nach“, weiß van der Veer.

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