Weltweite Einkaufstour
China greift erneut nach Rohstoffkonzern

Seit einiger Zeit sichern sich chinesische Konzerne durch den Einstieg bei ausländischen Anbietern systematisch den Zugang zu Rohstoffen vor Ort. Jetzt wollen die staatlichen Ölfirmen China National Petroleum Corp und China National Offshore Oil Corp den größten argentinischen Ölkonzerns YPF übernehmen. Doch beim Werben um ausländische Rohstoffkonzerne stoßen die Chinesen auch auf Widerstand.

MADRID/PEKING/DÜSSELDORF. Chinesische Unternehmen gehen im Wettlauf um wichtige Rohstoffe in die Offensive. Die staatlichen Ölfirmen China National Petroleum Corp (CNPC) und China National Offshore Oil Corp (CNOOC) planen nach einem Bericht der "South China Morning Post" die Übernahme des größten argentinischen Ölkonzerns YPF. Zudem beteiligte sich der Aluminiumkonzern Chinalco mit 1,5 Mrd. Euro an der Kapitalerhöhung von Rio Tinto, um seinen Anteil von neun Prozent an dem führenden Rohstoffförderer nicht zu verwässern.

Laut dem Zeitungsbericht wollen die chinesischen Energieriesen CNPC und CNOOC zusammen 17 Mrd. Dollar für YPF bieten. Der Mutterkonzern von YPF, die spanische Repsol, erklärte am Donnerstag in einem Schreiben an die spanische Börsenaufsicht, dass die Suche nach neuen Aktionären seit Monaten laufe. Man habe "Vorschläge unterschiedlicher Art von verschiedenen Unternehmen" bekommen, es liege aber "kein verbindliches Angebot" vor, hieß es.

Repsol hält 84 Prozent der Anteile an YPF und will nach Aussagen eines Sprechers "auf jeden Fall die Mehrheitsanteile behalten". Zudem müsse die argentinische Regierung zu jeder Vereinbarung ihre Zustimmung geben, die die Aktionärsstruktur von YPF betreffe. Die chinesischen Konzerne waren am Donnerstag auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit.

Chinesische Unternehmen sichern sich durch den Einstieg bei ausländischen Anbietern bereits seit einiger Zeit systematisch den Zugang zu Rohstoffen vor Ort. Sie nutzen dabei die Gunst der Stunde: Mit der Abkühlung der Konjunktur waren die Preise nahezu aller Rohstoffe eingebrochen - und mit ihnen auch die Aktienkurse der Unternehmen. "Wer in dem aktuellen Umfeld zuschlägt, profitiert bei seinem Einstieg von günstigen Preisen", sagte Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Ziehe man den Vergleich zur Situation vor gut einem Jahr, lägen die Bewertungen heute deutlich niedriger. "Man kriegt heute für sein Geld mehr als vor der Krise", sagte der Experte.

Allein für Firmenbeteiligungen im Energiesektor haben chinesische Staatskonzerne seit vergangenem Herbst rund 15 Mrd. Dollar ausgegeben. Rund zwei Mrd. bezahlte China Petroleum and Chemical Corp (Sinopec) für die kanadische Tanganyika Oil. Etwa eine Mrd. Dollar investierte Petrochina für 45,5 Prozent an Singapore Petroleum, für weitere 3,3 Mrd. Dollar formte der Konzern im April in Kasachstan ein Öl-Joint-Venture. Erst vor einer Woche einigte sich Sinopec mit der kanadischen Addax Petroleum auf eine Übernahme im Wert von 7,2 Mrd. Dollar. Außerdem soll CNOOC in Afrika drei Mrd. Dollar für einen Anteil an dem Konzern Kosmos Energy bieten.

Zudem hat sich China in vielen Regionen der Welt den Zugang zu Öl- und Gasquellen gesichert. Erst am Dienstag hatte CNPC verkündet, man habe mit der britischen BP den Zuschlag zur Ausbeutung des größten Ölfeldes im Irak erhalten. "Firmen wie CNPC können als Staatskonzerne mehr politische Risiken und weniger Gewinn verkraften", sagt Wang Aochao, Energieanalyst in Schanghai. Deshalb seien die chinesischen Bieter beim Poker um die Ölreserven der Welt im Vorteil.

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