Weniger Aufträge
Anlagenbauer SMS spürt die Stahlkrise

Die schwache Stahlkonjunktur trifft die SMS Group mit voller Wucht. Das Unternehmen rechnet bereits mit einem Auftragseinbruch. Warum die Konzernleitung dennoch glaubt, dass sie ohne Kurzarbeit oder gar Entlassungen über die Runden kommt.

DÜSSELDORF. Der Anlagenbauer SMS Group stellt sich wegen der schwachen Stahlkonjunktur auf einen deutlichen niedrigeren Auftragseingang ein, glaubt aber ohne Kurzarbeit oder gar Entlassungen über die Runden zu kommen. "Umsatz und Ergebnis werden 2009 infolge des noch abzuarbeitenden hohen Auftragsbestands in etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung und Miteigentümer des Familienunternehmens, Heinrich Weiss, auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. 2008 stieg der Umsatz um 22,6 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro und der Jahresüberschuss um 16,5 Prozent auf 134 Mio. Euro.

2008 hatte das Unternehmen, einer der weltweit führenden Anbieter von Stahl- und Walzwerken, mit 5,3 Mrd. Euro den Rekordauftragseingang des Vorjahres noch einmal überboten. Für das laufende Jahr rechnet Weiss nur mit Bestellungen im Volumen von zwei bis drei Mrd. Euro. Seit September sei kein Großauftrag mehr eingegangen. Mit einem Auftragsbestand von 6,3 Mrd. Euro ist SMS aber für 2009 und auch 2010 noch gut ausgelastet. Kurzarbeit kann es nach Angaben von Weiss eventuell für bis zu 200 Ingenieure im Herbst des laufenden Jahres geben und in der Fertigung im nächsten Jahr in einzelnen Abteilungen. Stellenstreichungen bei den Ende 2008 knapp 9 000 Beschäftigten sind nicht vorgesehen. "Es kann aber sein, dass wir einige Abgänge nicht ersetzen", sagte Weiss.

Wie lange die Flaute dauern wird, vermag der SMS-Chef nicht zu sagen. "Die großen Stahlkonzerne werden erst investieren, wenn sie wieder gut verdienen", sagte Weiss. Deshalb gebe es hier auf absehbare Zeit nur Aufträge für die Modernisierung. Dagegen werde die Nachfrage in Indien und China am ehesten wieder anspringen. Schwellenländer in Asien würden weiter ihre eigene Stahlindustrie aufbauen. In dem vor kurzem noch großen Stahlmarkt Russland mache sich die Finanzkrise bemerkbar, da viele Geschäfte auf Krediten aufgebaut seien. Stornierungen hat es nach Angaben von Weiss nicht gegeben, begonnene Aufträge würden fertiggestellt. Einige Kunden hätten aber um Verschiebungen gebeten. Einem Kunde habe SMS bei der Kreditbeschaffung durch die gute eigene Bonität geholfen.

SMS will trotz der Flaute die Investitionen nicht kürzen, sondern im Gegenteil ausweiten. Die Fertigung im Stammwerk Hilchenbach im Siegerland soll modernisiert werden. "Wir werden wie früher antizyklisch handeln und die gefallenen Preise ausnutzen", so Weiss. Gespart werden soll in einer Art Hausputz bei den Sachkosten.

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