Werbeverbote drohen auch für Bier – Konsum weiter rückläufig
Deutsche Brauindustrie gerät ins Visier der EU-Kommission

Der Bierkonsum in Deutschland geht weiter zurück. Dies berichtete der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), Richard Weber, gestern zum Abschluss der Jahrestagung seines Verbandes in Freiburg. „Im ersten Quartal 2005 verzeichneten die deutschen Brauer nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ein Absatzminus von 3,5 Prozent“, sagte Weber. Dies komme zwar nicht überraschend, schmerze die Branche aber trotzdem „empfindlich“.

HB ire FREIBURG.Die Absatzverluste der deutschen Brauereien sind jedoch regional sehr unterschiedlich. Nach einer Statistik des Verbandes rheinisch-westfälischer Brauereien ging der Bierabsatz im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW bis einschließlich April gar um zehn Prozent zurück. Dagegen entwickelten sich die Absätze nach DBB-Angaben in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und in Teilen Bayerns besser als im Bundesdurchschnitt.

DBB-Präsident Weber führt die weiterhin schlechte Marktentwicklung – im vergangenen Jahr ging der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch beim Bier in Deutschland von 118 auf rund 116 Liter zurück – neben der schleppenden Konjunktur vor allem auf die demographische Entwicklung in der Bundesrepublik zurück. „Die Zahl der klassischen Biertrinker zwischen 35 und 45 Jahren nimmt ab“, führte Weber an. Außerdem nehme die Anzahl der älteren Menschen, die per se zu wenig trinken würden, stetig zu.

Weiteres Ungemach droht den deutschen Brauereien aus Brüssel: Die EU-Kommission hat eine Vereinheitlichung des Abgabealters für alle alkoholhaltigen Getränke auf 18 Jahre vorgeschlagen. Bisher dürfen Bier und Wein in Deutschland bereits an Jugendliche ab 16 Jahren ausgeschenkt werden. Den Vorstoß der EU lehnen die deutschen Brauer nach Webers Worten „kategorisch“ ab. Stattdessen engagiert sich der deutsche Brauerbund in einer Arbeitsgruppe mit dem Bundesgesundheitsministerium und anderen Verbänden der Alkoholindustrie in einem „16/18“ betitelten Projekt. Hier soll das Verkaufspersonal des Handels über eine wirksamere Einhaltung des Jugendschutzgesetzes informiert werden.

Aber in Brüssel wird zwecks wirkungsvoller Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs – auch unter Erwachsenen – bereits über Werbeverbote, ähnlich wie für die Tabakindustrie, diskutiert. Außerdem regte die EU-Kommission Strafsteuern an, wie sie bereits den Markt für Alcopops zum Erliegen gebracht haben. Die deutsche Alkoholindustrie setzt dagegen weiterhin auf eine freiwillige Selbstkontrolle. Zu diesem Zweck hat sie gerade ihren Verhaltenskodex verschärft. „Die EU-Administration ist für solche Vorhaben durchaus offen, die Industrie muss diese Chance aber auch nutzen“, sagte Helmut Wagner, Geschäftsführer der so genannten „Amsterdam Group“, einer europäischen Vereinigung führender Bier-, Wein- und Spirituosenhersteller, die den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol fördern will. Auf einem vorangegangenen Diskussionsforum des Deutschen Brauertages beschwor Wagner die Anwesenden Vertreter der Brauindustrie, der EU-Kommission zu beweisen, dass die freiwillige Selbstkontrolle funktioniert.

Neben allen Widrigkeiten, die der Branche derzeit drohen, setzen die deutschen Brauer große Hoffnungen auf die im nächsten Jahr in Deutschland stattfindende Fußballweltmeisterschaft. Auch außerhalb der Stadien, für die der Weltfußballverband Fifa eine spezielle Werbe- und Schanklizenz an den US-Konzern Anheuser-Busch erteilt hat, soll der Gerstensaft in Strömen fließen.

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