Westliche Unternehmen teilen boomenden Markt unter sich auf – Interesse an regionalen Anbietern steigt
Braukonzerne strömen nach Russland

Westliche Brauerei-Konzerne liefern sich Schlachten um die Übernahme russischer Bierhersteller. Vor allem die Jagd nach Marktanteilen auf dem boomenden Markt treibt die internationalen Konzerne zu Übernahmen.

HB MOSKAU. Die Branche wird in Russland bereits weitgehend von ausländischen Brauereien beherrscht. Allein in dieser Woche hat der holländische Heineken-Konzern die russische Brauerei PIT Iwan Taranow geschluckt, die belgische Inbev schloss die Übernahme der Tinkoff-Brauerei ab, und gestern wurde bekannt, dass die südafrikanisch-amerikanische Gruppe SAB Miller den russischen Brauereiverbund Krasnyj Wostok kaufen will.

Heineken will mit der nach Berechnungen der Fortis-Bank 450 Mill. Dollar teuren Übernahme von PIT seinen Marktanteil in Russland auf 15 Prozent steigern. Insgesamt sollen die Holländer nach Angaben der Moskauer Investmentbank UFG ihren späten Einstieg ins Russlandgeschäft seit 2002 mit Übernahmen in Höhe von 1,2 Mrd. Dollar erkauft haben. Noch größeren Aufholbedarf hat SAB Miller.

Der russische Biermarkt wird bisher von der Baltika-Brauerei dominiert, die über die Baltic Beverages Holding mehrheitlich Carlsberg sowie Scottish & Newcastle gehört. Das Joint Venture braut vor allem mehrere Sorten der Marke „Baltika“ sowie in Lizenz „Carlsberg“ und „Fosters“. Baltika setzte im ersten Halbjahr 2005 gut 16 Mrd. Rubel um – 27 Prozent als ein Jahr zuvor – und steigerte den Gewinn 53,4 Prozent auf 3,3 Mrd. Rubel (umgerechnet 114,9 Mill. Dollar).

Zweitgrößter Anbieter in Russland ist Sun Interbrew, ein von der indischen Sun-Gruppe gegründeter und jüngst nahezu vollständig von der belgischen Inbev übernommener Bauereiverbund. Sun Interbrew ist auch in der Ukraine stark im Geschäft. Der Konzern braut Biere der Marken „Klinskoje“ und „Sibirische Krone“ sowie in Russland in Lizenz die Inbev-Sorten „Stella Artois“, „Becks“ und „Brahma“. Sun Interbrew hat gerade die 167 Mill. Euro teure Übernahme der russischen Edelmarke Tinkoff von deren 37 Jahre alten Gründer Oleg Tinkow abgeschlossen. Den angeblich geplanten Kauf der türkischen Efes-Brauerei dementierten beide Seiten allerdings. Efes soll nach einem Bericht der Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ ebenso wie SAB Miller um den Kauf von Krasnyj Wostok kämpfen.

Während sich in Westeuropa der Bierkonsum kaum noch verändert, wächst die Nachfrage in Russland in diesem Jahr nach Schätzungen des Brauerbundes Russlands um fünf Prozent, nach elf Prozent im Jahr zuvor. Das russische Statistikamt Rosstat errechnete für das erste Halbjahr einen Zuwachs beim Bierkonsum von 3,7 Prozent. Dabei gibt es für die russischen Kehlen noch erhebliches Aufholpotenzial: Während sich die Russen durchschnittlich gut 50 Liter Bier pro Kopf und Jahr schmecken lassen, sind es in ganz Europa im Schnitt 85 Liter.

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