Wilhelm Schelkys AUB
Gewerkschaftsfinanzierung aus der Privatschatulle

Die neue Führung der IG-Metall-Konkurrenz „Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger“ (AUB) bricht mit dem früheren Vorsitzenden Wilhelm Schelsky: Auf einer Mitgliederversammlung in Nürnberg plauderten die AUB-Spitzenvertreter aus, wie Schelsky den Verband führte und finanzierte.

HB NÜRNBERG. Ohne ihn ging nichts, aber auch mit ihm am Ende nicht mehr viel: Schelsky hat mit seinen umstrittenen Finanzierungsmethoden die Gegenorganisation zur DGB-Gewerkschaft IG Metall an den Rand des Ruins getrieben. Nun hofft die neue fünfköpfige Führung darauf, die AUB auf „Sanierungskurs“ zu bringen. Dabei ist der neue Vorstand im Umgang mit seinem früheren, inzwischen in Untersuchungshaft sitzenden Bundesvorsitzenden nicht mehr zimperlich. Mit einem Verbandsausschlussverfahren soll die Affäre Schelsky besiegelt werden.

Mit überraschender Offenheit schilderte die neue AUB-Führung am Sonntag nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, wie Schelsky die 30 000 Mitglieder umfassende Organisation nach Gutsherrenart führte. Dabei schien Schelsky die von ihm mit gegründete AUB mehr oder weniger als sein Alleineigentum zu betrachten. Nachdem er in den vergangenen Jahren immer mehr privates Geld in die AUB pumpte, ließ er sich selbst in zentralen Finanzierungsfragen nicht mehr in Karten schauen. „Herr Schelsky pflegte den Haushaltsplan allein aufzustellen“, berichtete seine Stellvertreterin Ingrid Brand-Hückstädt.

Der Beweis, dass die in die AUB geflossenen privaten Gelder Schelskys vom Elektrokonzern Siemens stammten, steht noch aus. Der entsprechende Verdacht hat sich aber nach Einschätzung von Beobachtern nach den jüngsten Äußerungen der neuen AUB-Führung erhärtet. Denn inzwischen überrascht es, dass ein kleines Beratungsbüro wie das von Schelsky solche Gewinne abwarf; immerhin hat Schelsky aus seiner Privatkasse nach Vorstandsangaben jahrelang rund zehn Mitarbeiter in AUB-Büros, Spesen bei Mitgliederversammlungen und Berge von Werbegeschenken „und anderen Luxus“ finanziert.

Möglich war ein solches Finanzgebaren bei der AUB offenbar nur durch eine Mischung aus naiver Gutgläubigkeit und einer „Augen-zu- und-durch“-Mentalität bei Schelskys früheren Vorstandskollegen. Die frühere AUB-Vize scheint dabei für viele Mitglieder zu sprechen, wenn sie sagt: „Wenn man ein ehrenamtliches Mitglied in einem Verein ist, ist man froh, dass es läuft“. Der neu gewählte AUB-Bundesvorsitzende Rainer Knoob fühlte sich als Hamburger bei Schelsky an den früheren Präsidenten des 1. FC St. Pauli, Heinz Weisener, erinnert: „Der hat bei St. Pauli auch ordentlich privates Geld reingemeiert. Genauso habe ich das bei Schelsky gesehen. Der hat sein Geld halt nicht in einen Ferrari gesteckt, sondern in eine politische Idee“.

Gespalten ist bei der AUB auch der Blick auf die frühere Führungsfigur Schelsky. Rühmt seine frühere Stellvertreterin Brand-Hückstädt Schelsky als jemanden, „der mit Charisma und seiner Persönlichkeit Leute überzeugt hat“, so will der neue AUB-Schatzmeister Andreas Braum schon immer Zweifel an Schelskys Ausstrahlung gehabt haben. Als AUB-Mitbegründer galt der frühere Siemens- Betriebsrat jedoch als unumstößliche Führungsfigur.

Unterschiedlich ausgeprägt ist in der Arbeitnehmerorganisation mit Betriebsgruppen in 1600 Unternehmen anscheinend auch die Bereitschaft zur Aufarbeitung der Affäre. Viele AUB-Mitglieder fühlten sich von der Schelsky-Affäre gar nicht betroffen. „Es gibt Betriebsräte, die betrachten die AUB nur als Dienstleistungseinrichtung“, berichtete Brand-Hückstädt.

Andere möchten nach der Wahl des neuen Bundesvorstands am liebsten zur Tagesordnung übergehen. Dagegen macht sich die frühere AUB-Vize keine Illusionen: „Mit der Mitgliederversammlung ist der Selbstreinigungsprozess noch nicht zu Ende. Schon beim Prozess gegen Herrn Schelsky, spätestens bei der Betriebsratswahl 2010 wird das Ganze wieder Thema sein“.

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