Wilkinson pariert Attacke von Gillette
Klingen-Streit der Nassrasierer-Riesen

Die beiden größten Hersteller von Nassrasierern liefern sich ein messerschaftes Duell. Dabei hat Wilkinson am Donnerstag in Düsseldorf eine neue Attacke von Weltmarktführer Gillette zunächst einmal erfolgreich pariert.

HB DÜSSELDORF. Gillette hatte Wilkinson wegen angeblicher Patentverletzung verklagt. Beim Erfolgs-Rasierer „Quattro“ mit vier Klingen werde das Drei-Klingen- Patent des Gillette-Rasierers „Mach 3“ abgekupfert, lautete der Vorwurf. Doch die Patentkammer des Düsseldorfer Landgerichts befand, dass vier Klingen nicht gleich drei Klingen sind und schmetterte die Klage ab.

Damit ging eine Runde im zunehmend bissiger geführten Wettbewerb der beiden Enthaarungs-Giganten an den Branchenzweiten Wilkinson. Das weltweite Geschäft mit Rasierklingen ist ein umkämpfter Milliardenmarkt, den Gillette bislang mit großem Vorsprung bei den Marktanteilen anführt.

Doch der Erfolg des Vier-Klingers „Quattro“ - seit einem Jahr auf dem Markt“ - hat den Branchenführer anscheinend nervös gemacht. Mit einem Sieg im Patentstreit hätte Gillette das Konkurrenzmodell vom Markt fegen und noch ordentlich Strafgeld kassieren können. Wortreich hatte Gillette-Anwalt Guntram Rahn am Mittwoch argumentiert, dass das Gillette-Patent einen dreistufigen Angriff auf das Barthaar umfasst, der nicht unbedingt nur mit drei Klingen geführt werden muss. Die vierte Klinge als Zugabe ändere nichts am Prinzip.

Wilkinson machte geltend, dass im Gillette-Patent vor einer vierten Klinge regelrecht gewarnt werde. Die Rede sei darin immer von drei Klingen, nicht von Stufen im Prozess des Bartstutzens. Die vierte Klinge, dass musste auch Gillette einräumen, sei keineswegs eine geschickt montierte „Placebo-Klinge“, sie wirke durchaus auf die Haut. Um die für den Verbraucher wichtige Frage, welcher Rasierer denn nun besser rasiert, ging es in Düsseldorf unter den Augen von Patentrichter Thomas Kühn nicht. „Für eine brauchbare Rasur kann ich mich auch mit dem letzten Knüppel rasieren“, befand Wilkinson- Prozessvertreter Christian Osterrieth.

Je mehr Klingen, desto besser die Rasur - diese Marketing- Gleichung geht jedenfalls nicht auf. Mit jeder zusätzlichen Klinge drohen deren Zugkräfte nämlich, die gestresste Gesichtshaut des Rasierten zu zerreißen.

Entsprechend konstatierte die Stiftung Warentest nun, dass das Drei-Klingen-Modell etwas hautschonender rasiere. Doch im Reklame- Wettstreit der US-Konzerne scheint es nun nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste Fünf-Klinger auf die Männergesichter losgelassen wird. Denn Richter Kühn befand nach wenigen Minuten Beratung messerscharf, dass das Gillette-Patent sich auf drei Klingen festlege und damit nicht alle weiteren Schneiden für sich reklamieren kann.

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