„Wir konzentrieren uns auf bezahlbaren Luxus“
Mariella Burani setzt auf Deutschland

Beim italienischen Modekonzern Mariella Burani ist von Textilkrise nicht viel zu spüren. Trotz der Konkurrenz aus China wächst das börsennotierte Familienunternehmen rasant und setzt dabei ungeachtet der Konsumflaute nördlich der Alpen auf den deutschen Markt.

HB REGGIO EMILIA. „Wir wollen auf 20 Prozent Umsatzanteil in Deutschland kommen“, sagte der Vorstandschef und Gründersohn Giovanni Burani dem Handelsblatt. Schon heute erwirtschaften die Italiener in Deutschland 16 Prozent ihres Umsatzes.

Zu Mariella Burani gehören neben der gleichnamigen Hausmarke unter anderem der deutsche Bekleidungshersteller René Lezard, die italienische Edelmarke Mila Schön und die Schuhfirma Baldinini. Für Missoni, Emanuel Ungaro, Vivienne Westwood und andere stellt das Unternehmen in Lizenz ganze Produktlinien her. Insgesamt hat das Unternehmen, das 1960 von Mariella und Walter Burani gegründet wurde, acht eigene Mode- und Lederwaren-Labels und sieben Lizenzabkommen.

In Italien gehört Mariella Burani zu den am schnellsten wachsenden Modefirmen. In einem Wachstumsranking der Branchen-Beratung Pambianco stand das Unternehmen mit knapp 20 Prozent Plus im vergangenen Jahr an vierter Stelle hinter Geox, Diesel und Dolce & Gabbana. Am Umsatz von 429 Mill. Euro gemessen liegt die Firma aus Reggio Emilia nur auf Platz 17. Im Sommer hat sich auch L-Capital, der Investmentfonds des französischen Luxusriesen LVMH, mit sieben Prozent an dem italienischen Unternehmen beteiligt. 2004 warf Mariella Burani 12,1 Mill. Nettogewinn ab.

„Wir konzentrieren uns auf bezahlbaren Luxus“, erläutert Giovanni Burani das Rezept der Familie. Edle Qualität, aber nicht so teuer, dass es sich nur ganz wenige leisten können. Sein Vorbild ist dabei die Marke Hugo Boss, die zum italienischen Marzotto-Konzern gehört. „Im kommenden Jahr werden wir wieder ein zweistelliges organisches Wachstum haben“, prophezeit Burani, der das Unternehmen vor fünf Jahren an die Börse gebracht hat. Dabei setzt er auf den Ausbau des margenträchtigen Geschäfts mit Accessoires und Lederwaren – und auf Schwellenländer. Mehr als zwei Drittel des Umsatzes kommen schon heute aus dem Ausland. In den kommenden zwei bis drei Jahren soll der Anteil auf drei Viertel steigen.

Größere Aquisitionen seien derzeit nicht geplant. Aber „wenn ich etwas zukaufen würde, dann in Deutschland“, sagt Burani. „Dort gibt es noch interessante kleine Unternehmen mit hohen Margen.“ Und die Deutschen kauften in der Mode noch immer zu mehr als drei Vierteln deutsche Marken. Auch der Mode-Analyst Gianluca Pacini von der Investmentbank Caboto stellt fest: „Sowohl Hugo Boss als auch René Lezard laufen in Deutschland trotz der schwachen Konjunktur gut.“

Bei der Marke René Lezard, die Mariella Burani vor fünf Jahren übernommen hat, setzt Giovanni Burani auf das Know-how des deutschen Managements, das er im Amt ließ. Nur die Deutschen könnten verstehen, was die Kunden wollen. Das gelte für die Passformen ebenso wie für den Geschmack bei Farben und Stoffen. „Wer in Deutschland das Design verändern will, schneidet sich ins eigene Fleisch“, sagt der Italiener. „Ich gehe mit jedem eine Wette ein, der gleichzeitig den deutschen und den süditalienischen Markt bedienen will, dass er verliert.“

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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