Wirkstoff Clobutinol verboten
Husten-Wirkstoff bringt Herz aus dem Takt

Eine neue Studie verleidet den Pharmaherstellern in Deutschland das Geschäft mit dem Wirkstoff Clobutinol gegen Reizhusten: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Produkte mit der Substanz mit sofortiger Wirkung verboten. Der finanzielle Schaden für die Anbieter hält sich allerdings in Grenzen.

HB BONN. Das Bundesinstitut teilte am Freitag mit, ihm seien vom Zulassungsinhaber des Originalarzneimittels, der Firma Boehringer Ingelheim, neue Informationen und Daten vorgelegt worden, wonach Clobutinol in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen auslösen könne. Schwere Formen solcher Herzrhythmusstörungen seien lebensbedrohlich. Deswegen ruhe die Zulassung für Medikamente mit dem Wirkstoff ab sofort. Patienten würden aufgefordert, die entsprechenden Medikamente nicht mehr einzunehmen. Laut Boehringer hat sich bei einem von 48 Studienteilnehmern das Intervall zwischen den Herzschlägen verlängert.

Clobutinol wird nach Angaben des Bundesinstituts bereits seit mehr als 40 Jahren zur Behandlung eines trockenen Reizhustens eingesetzt. Medikamente mit diesem Wirkstoff sind nicht verschreibungspflichtig und werden unter den Markennamen Silomat, Hustenstiller-Ratiopharm, Hustenstiller Stada, Tussed, Rofatuss und Nullatuss von diversen Herstellern angeboten.

Die beiden Anbieter Boehringer und Ratiopharm wiesen darauf hin, dass ihre annäherend gleichnamigen Produkte Silomat Lutschpastillen und Hustenstiller-Ratiopharm Dextromethorphan von dem Verbot nicht betroffen seien und weiter eingenommen werden dürften. Die beiden Produkte enthielten einen anderen Wirkstoff.

Nach Angaben der Boehringer-Sprecherin spielte der Hustensaft im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von 26 Millionen Euro ein. Das entspricht etwa 0,2 Prozent des Konzernumsatzes. Auch von den in der Branche gefürchteten US-Sammelklagen dürfte das Unternehmen verschont bleiben, weil es Silomat nicht in den USA vertreibt. Vom Generikahersteller Ratiopharm, der ein preiswerteres Generikum anbietet, hieß es, die Präparate mit dem Wirkstoff hätten einen Jahresumsatz von unter einer Million Euro.

Nach Angaben der Boehringer-Sprecherin stehen viele alte Medikamente in dem Verdacht, das Herz aus dem Takt bringen zu können. Bei der Neuentwicklung von Medikamenten werde diese Frage grundsätzlich untersucht. Die Studie für Silomat sei vom Konzern in Auftrag gegeben worden, als 2004 ein Artikel in einer medizinischen Fachzeitschrift erschien, der diesen Zusammenhang nahelegte.

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