Wütende Mitarbeiter
Randale vor Ford-Zentrale in Köln

Frustriert wegen der geplanten Werksschließung randalieren belgische Ford-Arbeiter vor der Europa-Zentrale in Köln. Konzernchef Alan Mulally schließt derweil auf einem Berliner Kongress noch härtere Kürzungen nicht aus.
  • 12

Wütende Mitarbeiter des belgischen Ford-Werks in Genk haben heute Morgen vor und auf dem Gelände der Europazentrale in Köln randaliert. Der Werksschutz alarmierte die Polizei, nachdem die etwa 100 bis 200 Personen Reifenstapel angezündet hatten, auf das Werksgelände vordrangen und Scheiben einschmissen. Das Werk in Genk soll bis Ende 2014 geschlossen werden und die bisherige Produktion auf andere europäische Ford-Standorte verlagert werden.

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte am Mittag zu Handelsblatt Online, dass die Personalien der Angereisten festgestellt würden und die gewalttätigen Demonstranten identifiziert werden sollten. Unter anderem hatten diese auch Böller auf dem Werksgelände gezündet. „Natürlich verstehen wir auf der einen Seite, welchen Einfluss unser europäischer Geschäftsplan auf die Menschen hat“, teilte Ford mit. Auch das Recht auf friedliche Demonstrationen werde selbstverständlich respektiert. „Auf der anderen Seite sind wir enttäuscht darüber, dass einige der Protestierenden sich gewaltsam Zugang zum Werksgelände verschafft haben“, hieß es in einer Mitteilung.

Quasi zeitgleich sorgte Konzernchef Alan Mulally für noch mehr Kopfschmerzen bei den Ford-Beschäftigten. Am Rande einer Veranstaltung in Berlin sagte Mulally im Gespräch mit Reuters, dass die Pkw-Nachfrage in den Krisenstaaten Südeuropas weiter sehr unbeständig sei. Einige Länder könnten durchaus noch tiefer in die Rezession abgleiten. „Das wird bestimmen, was wir tun, falls wir noch mehr tun“, so Mulally. Derzeit gebe es jedoch keine weiter reichenden Entscheidungen, betonte er.

Ford hatte jüngst angekündigt, in den nächsten Jahren drei Werke in Belgien und Großbritannien mit insgesamt 5700 Beschäftigten dichtzumachen. Einschließlich Angestellten in anderen Bereichen fallen in Europa 6200 Arbeitsplätze weg. Damit will Ford bis 2015 in Europa wieder profitabel werden.

„Wenn man sich vor den Entscheidungen drückt, wird man weiter Geld verlieren und irgendwann vom Markt verschwinden“, begründete Mulally in Berlin den Schritt. „Wir mussten diese Schritte tun, um weiter in der Lage zu sein, in neue Produkte zu investieren.“ Von der Restrukturierung würde das Ford-Werk in Saarlouis profitieren, dessen Auslastung durch Verlagerungen von Produktion aus Spanien erhöht werden soll. Ford will die nächste Generation der Modelle Mondeo, Galaxy und S-Max nicht im belgischen Genk bauen, sondern im spanischen Valencia vom Band laufen lassen. Teil des Plans ist, die Fertigung von C-Max und Grand C-Max von Valencia ins Saarland zu verlagern. Darüber laufen derzeit Verhandlungen mit den Gewerkschaften.

In Europa schrieb Ford im abgelaufenen Quartal einen Vorsteuerverlust von einer halben Milliarde Dollar. Ein starkes US-Geschäft bescherte Ford insgesamt aber ähnlich wie GM einen Quartalsgewinn vor Steuern von 2,2 Milliarden Dollar. Auch GM verhandelt derzeit mit den Gewerkschaften über Einschnitte in Europa, dabei geht es auch um die Zukunft des von Schließung bedrohten Opel-Werks in Bochum. Der Betriebsrat erwartet bis Mitte Dezember eine Einigung mit der Geschäftsleitung über ein Sparpaket. Parallel spricht die Opel-Mutter mit dem angeschlagenen französischen Autobauer Peugeot über eine gemeinschaftliche Sanierung ihres Europageschäfts. Finanzkreisen zufolge denken die beiden Partner darüber nach, ihr Autogeschäft enger zu verzahnen. In der Diskussion waren zuletzt mehrere Varianten, die von einem Verkauf von Opel an Peugeot bis zu einer Zusammenlegung in einer neuen Gesellschaft reichen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wütende Mitarbeiter: Randale vor Ford-Zentrale in Köln"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Für diejenigen Autobauer die nicht im Premium Segment vertreten sind wie Ford und Opel wird das produzieren in Westeuropäischen Staaten einfach zu teuer. Für die lohnt es sich in Osteuropäischen Staaten zu produzieren so wie es Seat zum Beispiel macht. Nicht nur die Autobauer müssen das machen um Konkurrenzfähig zu bleiben, sonder auch deren Lieferanten. Die Schaeffler Gruppe produziert schon seit 1997 unter anderem in ihren Werk in Ungarn für den Europäischen Markt. Die Motivation der Mitarbeiter ist hoch sowie auch die Frauenquote im Management: Mathe Agnes ist dort als Einkaufsmanagerin angestellt und Rita Kenyeres ist die Personalchefin.

  • wegen der 30% Rabatt?

  • Gut dass ich das weiß bevor ich mir das nächste Auto zulege. Damit entfällt nun schon GM und Ford.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%