Yann Delabrière
„Einsparungen durch Massenproduktion“

Im globalen Wettbewerb der Autobauer steigen die Anforderungen an die Zulieferer, sagt der Chef der Branchengröße Faurecia. Zukünftiges Wachstum erwartet Delabrière vor allem bei Hybrid-Autos.
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Handelsblatt: Herr Delabrière, wie wird sich der weltweite Automarkt 2012 entwickeln?

Yann  Delabrière: Das Wachstum der Produktion wird sich insgesamt verlangsamen. In Europa dürfte es einen Rückgang um vier bis sechs Prozent geben, was vor allem den Süden trifft, Nordeuropa könnte einen Zuwachs verzeichnen. In Nordamerika erwarten wir ein Plus von sechs Prozent, in China sieben bis neun Prozent.

Erhöht sich der Druck auf die Zulieferer?

Die Hersteller wollen Lieferanten, die ihnen rund um den Globus folgen und an allen Standorten mit Entwicklung und Produktion präsent sind. Zudem soll in allen Ländern dasselbe Qualitäts- und Serviceniveau herrschen. Natürlich erwarten sie auch einen Beitrag zur Kostensenkung, aber nicht zulasten der Zuverlässigkeit. Gefragt sind große Zulieferer, die Einsparungen durch Massenproduktion bringen.

Welche Innovationen gibt es?

Vor allem höhere Kraftstoffeffizienz, Umweltverträglichkeit und Leichtbau. Mit unseren Bauteilen wie Sitzen, Abgassystemen, Cockpits und Karosserieteilen steuern wir circa 20 Prozent des Gesamtgewichts eines Fahrzeugs bei. Da muss man überall optimieren.

In Europa wird immer wieder auf Überkapazitäten bei den Autoherstellern und auf eine notwendige Konsolidierung verwiesen. Erwarten Sie, dass die in Gang kommt?

Ich kann schlecht für meine Kunden sprechen. Aber die Erfahrung zeigt, dass Zusammenschlüsse schwer zustande kommen und die meisten scheitern.

Alle Hersteller starren auf die Schwellenländer, vor allem auf China. Rennt man da nicht in eine Marktsättigung hinein?

Die Wachstumsaussichten für den chinesischen Markt sind sehr positiv, weil jedes Jahr neue Gesellschaftsschichten in die Lage versetzt werden, sich ein Auto zu kaufen. Die großen ausländischen Hersteller dominieren den Markt: Sie sind kreativer, und sie haben beim chinesischen Verbraucher ihre Marken etabliert. Die Zulieferer folgen dieser Bewegung. Wir haben unseren Umsatz in China in fünf Jahren verdreifacht.

Die Chinesen gelten bei Elektroautos als fortschrittlich. Gehört der Elektromobilität die Zukunft oder wird sie überschätzt?

Verbrennungsmotoren haben erhebliche Fortschritte bei der Effizienz gemacht, sie sind in der Umweltbelastung nicht schlechter als ein Elektroauto, das mit Strom aus konventionellen Kraftwerken betrieben wird. Ich sehe die Zukunft vor allem bei Hybridautos, es wird mehr Variationen durch kleine Hybridsysteme geben: Das kleinste ist die Start- und Stopp-Automatik mit einem Elektromotor.

Frankreich diskutiert viel darüber, wie es seine Autoindustrie stärken kann. Welche Möglichkeiten sehen Sie?

Es dauert lange, bis man als Premiumhersteller anerkannt wird. Sie müssen konsequent auf hochwertige Technik setzen, die der Kunde unmittelbar erlebt. In Deutschland sind Dinge möglich, die in Frankreich nicht gehen: In Karlsruhe zum Beispiel arbeiten wir sehr gut mit dem Fraunhofer-Institut zusammen. So etwas hat Frankreich leider noch nicht.

Vielen Dank für das Interview.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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