Yukos-Urteil
„Traurig, dass nicht Putins Oligarchen zahlen“

Der frühere Yukos-Eigner Michail Chodorkowski kann seine Genugtuung über das Entschädigungsurteil gegen Russland nicht verhehlen. Moskau will das Urteil nicht akzeptieren – die russische Börse gerät dennoch unter Druck.
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Moskau/Berlin50 Milliarden Dollar soll Russland den ehemaligen Aktionären des einst größten Ölkonzerns Yukos zahlen. Das hat der Ständige Gerichtshof in Den Haag entschieden. Einen freut das Urteil, das am Montag veröffentlicht wurde, ganz besonders: Ex-Yukos-Besitzer und Kreml-Gegner Michail Chodorkowski.

„Es ist fantastisch, dass den Yukos-Aktionären eine Chance auf Schadenersatz gegeben wird“, erklärte Chodorkowski am Montag. „Aber es ist traurig, dass die Entschädigung aus der Staatskasse kommen wird und nicht aus den Taschen der Mafiosi mit Beziehungen zur Macht und aus denen von Wladimir Putins Oligarchen.“

Chodorkowski betonte, dass der Yukos-Fall damit zum ersten Mal von einem unabhängigen Gericht untersucht worden sei. Er sprach von einer „unverfrorenen Plünderung eines erfolgreichen Unternehmens durch eine Mafia mit Staatsverbindungen“. Zugleich verwies er darauf, dass er selbst von dem Urteil keinen finanziellen Nutzen haben werde. Chodorkowski lebt nach der Entlassung aus russischer Haft im Dezember 2013 heute in der Schweiz.

Russland will die angeordnete Entschädigungszahlung hingegen nicht akzeptieren. Es verstehe sich von selbst, dass sein Land „alle rechtlichen Möglichkeiten“ nutzen werde, um seine Position zu verteidigen, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag vor Journalisten in Moskau. Der Energiekonzern Rosneft, der große Teile von Yukos übernommen hatte, erklärte, das damalige Auktionsverfahren sei „vollständig rechtskonform“ gewesen.

Die Gegenseite zeigte sich zuversichtlich, das Geld zu bekommen. „Wir haben keinen Anlass zu der Vermutung, dass Russland seinen internationalen Verpflichtungen nicht nachkommt“, sagte der Kläger-Anwalt Emmanuel Gaillard in London. GML-Chef Tim Osborne sagte, es gebe eine Strategie, wie das Geld eingetrieben werden soll, die aber nicht veröffentlicht werde.

Chodorkowskis Yukos-Konzern war Anfang des Jahrtausends zerschlagen worden. Der Staat und Gerichte warfen dem einst reichsten russischen Ölmagnaten sowie mehreren seiner Geschäftspartner schwere Wirtschaftsstraftaten vor. Chodorkowski wurde in Lagerhaft genommen. Filetstücke von Yukos fielen beispielsweise an den Staatskonzern Rosneft.

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  • Alles hängt am Ölpreis und dessen gezielter Manipulation.Alles! Deshalb ist Transparenz in der Preisfindung so wichtig.1998 zu Boris Jelzins Zeiten lag der Preis bei nur 10$ das Barrel,2008 zu Putins Zeiten in der Spitze bei 147 $ .Ein Plus von fast 1400 % in nur 10 Jahren kann nicht normal sein!Übrigens,seitdem der dafür verantwortliche J.P.Morgan Händler ,der sogenannte "Wal von London" hoch genommen wurde und mit ihm hunderte "Händler" in NYC und London selbst,schwankt der Ölpreis nur noch um die 100$ Marke,und das schon jahrelang,ohne große Veränderung.Welch ein Zufall!Was sagt und das zu Putin?Wäre der Preis bei 10 bis maximal 20$ das Barrel geblieben(je nach Lage der Nachfrage und Konjunktur),wäre es Putin aufgrund der geringeren Einnahmen unmöglich gewesen,mit dem vielen Geld seine Armee aufzurüsten und damit die Politik zu betreiben,die er heute treibt.Insofern soll der Westen nicht schimpfen,er hat mit seinen Marktmanipulationen den Aufstieg Putins mit zu verantworten.Das jetzt wegen ähnlicher Dinge gegen Banken bei der Gold und Silber-Preisfindung ermittelt wird,verheißt nichts Gutes.

  • @ Herr Jantschik - dieses Zitat, wie wunderbar, dass Sie dies uns zum Lesen gaben. Denn trefflicher und ehrlicher konnte und kann es nicht formuliert, nicht charakterisiert werden - das "Handwerk" der staatlich verordneten und unterhaltenen Schreiberlinge im Zeitalter eines herrschenden Kapitalismus und einer herrschenden Demokratie, bürgerlichen Demokratie!

  • Das sagte ein Pressevertreter/Journalist schon vor über hundert Jahren selbst zur angeblichen freien Presse !!! BITTE MAL LESEN !!!
    John Swinton (1829-1901), amerikanischer Journalist
    "Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte."

    Wer die Presse hier bezahlt, da halte ich mich mal raus !!

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