Zahl des Tages
Milliardensegen - und doch nur ein Taschengeld

Frische Dollars für die klammen USA: Chrysler zahlt 7,6 Milliarden US-Dollar Staatshilfe zurück, der Verkauf von Aktien des Versicherers AIG bringt weitere 8,7 Milliarden Dollar ein. Das riesige Haushaltsloch der Amerikaner stopft das bei weitem nicht.
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Zwei Jahre nach der Insolvenz des Autokonzerns Chrysler zahlt das Unternehmen Notkredite in Höhe von 7,6 Milliarden US-Dollar an die Regierungen der USA und Kanadas zurück. 5,9 Milliarden gehen an den US-Fiskus, 1,7 Milliarden an den kanadischen Finanzminister. Der Verkauf von Aktien des Versicherers AIG verstärkt den Geldsegen für die USA noch einmal. 8,7 Milliarden brachte der Teilverkauf der Anteile, mit denen der Staat auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 den drittgrößten Versicherer der Welt vor der Insolvenz rettete.

Die rund 15 Milliarden Dollar für die US-Amerikaner kommen der Regierung in Washington höchst gelegen, denn sie muss derzeit jeden Cent zweimal umdrehen. 15 Milliarden Dollar machen nämlich nur ein Tausendstel der US-Staatsschulden aus, das auf fast 15 Billionen Dollar angeschwollen ist. Allein im laufenden Haushaltsjahr häufen die USA 1,65 Billionen Dollar neue Schulden an. Ganze 110 Tage in Folge müssten die USA also ein Extra-Taschengeld von 15 Milliarden Dollar kassieren, um nur die Neuverschuldung eines Jahres zu finanzieren.

Im Gegensatz zum Staat schreibt Chrysler wieder schwarze Zahlen. Unter der Führung des italienischen Autokonzerns Fiat fuhr der Konzern im ersten Quartal diesen Jahres 116 Millionen Dollar Gewinn ein. Die US-Regierung profitiert davon aber kaum noch: Sie hält nur 6,6 Prozent der Anteile des Autobauers.

Der Versicherer AIG dagegen ist immer noch weitgehend in Staatshand. Die US-Regierung veräußerte nur 200 Millionen Aktien ihres Gesamtbesitzes von 1,7 Milliarden AIG-Aktien, durch deren Kauf die Regierung das Unternehmen im letzten Moment vor der Insolvenz gerettet hatte. So halten die USA aktuell immer noch 77 Prozent am Unternehmen. Und AIG steckt tief in den roten Zahlen. Ganze 543 Millionen Dollar Miese machte der Versicherer im ersten Quartal 2011.

Kanada steht deutlich besser da als die USA: Das Land gilt als vergleichsweise krisenresistent und profitiert von einem starken Wachstum. In Puncto Haushaltsdefizit gelten die Kanadier als Musterschüler. Für den Staatshaushalt braucht die Regierung die 1,7 Milliarden Dollar also nicht unbedingt. Sie könnte es auch unter den Bürgern verteilen und jedem Kanadier 37 Liter des in Kanada sehr beliebten Ahornsirups schenken.

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