Zehn Jahre nach der VW-Übernahme
Erste Kratzer an Bentleys Lack

Produktion verzehnfacht, Belegschaft nahezu verdoppelt, Gewinn von „praktisch Null“ auf 155 Millionen Euro angehoben: Unter der Führung von Franz-Josef Paefgen gelang dem angestaubten britischen Automobilhersteller Bentley ein schwungvolles Comeback. Doch jetzt, zehn Jahre nach der Übernahme durch VW, kommt der Wiederaufstieg der Luxusmarke langsam ins Stocken.

HAMBURG/CREWE. Der Wiederaufstieg der Luxusmarke Bentley kommt ins Stocken. Die nordenglische VW-Tochter kürzt die Produktion um 15 Prozent, nachdem die Wirtschaftsflaute den Absatz in den vergangenen Monaten gedrückt hat. "Wir bleiben unserem Grundsatz treu, immer ein Auto weniger zu bauen als der Markt verlangt", sagte Vorstandschef Franz-Josef Paefgen im Gespräch mit dem Handelsblatt am Firmensitz in Crewe. "Große Nachlässe wird es bei uns nicht geben, damit zerstört man die Restwerte und erzeugt unnötige Kosten."

Trotz der jüngsten Flaute zieht der 62-Jährige eine uneingeschränkt positive Bilanz zehn Jahre nach der Übernahme von Bentley durch VW: "Ich würde sagen, wir haben die Erwartungen mehr als erfüllt." Der ehemalige Audi-Chef führt auch die Marke Bugatti und ist konzernweit für die Forschung verantwortlich.

Unter seiner Führung gelang der angestaubten britischen Nobelmarke ein schwungvolles Comeback. Die Produktion stieg von 1 000 auf mehr als 10 000 im vergangenen Jahr, auch wenn sie jetzt wieder ein Stück schrumpft. Der operative Gewinn entwickelte sich von "praktisch Null" auf zuletzt 155 Mill. Euro. "Bezogen auf die Umsatzrendite ist Bentley eine der erfolgreicheren Marken im Konzern", sagte Paefgen. Die Belegschaft verdoppelte sich fast auf 4 000. Paefgen stellte Hunderte von Ingenieuren und Entwicklern ein und machte aus einer Modellreihe zwei und aus drei Varianten sechs.

Doch nun beginnt die Marke unter dem Modellzyklus zu leiden. Selbst die 2003 auf den Markt gebrachte zweite Linie Continental kommt trotz einiger Ableger in die Jahre. Besonders in der Luxusklasse schätzen die Kunden aber frische Modelle. Sie haben nicht selten vier, fünf oder sechs prestigeträchtige Wagen in der Garage stehen.

Im Top-Segment des deutschen Markts brach in den ersten sieben Monaten der Bentley-Absatz um 18 Prozent ein. Konkurrent Aston Martin legte hingegen 25 Prozent und Rolls-Royce 36 Prozent zu. Alle drei Marken sind Paradebeispiele für Comebacks traditionsreicher englischer Marken unter deutscher Führung oder deutschen Eigentümern.

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