Zeitung: Neues Angebot
MAN wird für Scania mehr berappen müssen

Der Münchner MAN-Konzern wird laut eines Presseberichts sein Übernahmeangebot für den schwedischen Lkw-Bauer Scania aufstocken. Auch die Börsianer glauben daran, dass das Geschäft letztlich zustande kommt – unter Federführung des doppelten Großaktionärs Volkswagen.

HB STOCKHOLM. „Es ist nur eine Frage der Zeit, dass MAN das Angebot für Scania erhöht“, zitiert die schwedische Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“ in ihrer Donnerstagausgabe nicht näher bezeichnete Kreise. Scania-Chef Leif Östling habe bei geheimen Treffen mit Investoren gesagt, wäre er ein Anleger, würde er eine Offerte von etwas über 500 Schwedischen Kronen je Aktie akzeptieren. Damit müsste MAN umgerechnet 10,7 Mrd. Euro für Scania bezahlen – 1,1 Mrd. Euro mehr als bislang geboten. Ein Sprecher von MAN wollte dies nicht kommentieren.

Die Märkte glaubten am Mittwoch auf jeden Fall an eine Nachbesserung der MAN-Offerte. Der Kurs der Scania-Aktie schoss nach Bekanntwerden des VW-Einstiegs bei MAN um rund 6 Prozent nach oben und lag mit 462 Kronen über dem gebotenen Preis von derzeit rund 459 Kronen (49,23 Euro) je Scania-Aktie. Mehrere Analysten gingen von einem nachgebesserten Angebot von etwa 500 Kronen je Scania-Aktie aus. Das bisherige Angebot ist bei Scania selbst und den beiden VW und der Industriellenfamilie Wallenberg auf Ablehnung gestoßen.

VW will mit ins Boot

VW macht sich für eine Dreier-Allianz aus MAN, Scania und dem eigenen Geschäft mit schweren Lastwagen stark. Um ihr Vorhaben voranzubringen, hatten die Wolfsburger am Mittwoch gut 15 Prozent der MAN-Anteile gekauft. Bei Scania ist VW schon seit Jahren Großaktionär mit 34 Prozent der Stimmrechte.

In Stockholmer Finanzkreisen war eines klar: „Jetzt hat sich Volkswagen auf den Fahrersitz gesetzt und diktiert das weitere Vorgehen“, wie Analyst Anders Bruzelius von Swedbank sagte. Er geht nach dem VW-Einstieg bei MAN von zwei möglichen Alternativen aus. „Damit keiner der Beteiligten das Gesicht verliert, muss ein höheres Gebot her“, sagte er. Die zweite denkbare Möglichkeit sei eine Rücknahme des feindlichen Übernahmeangebots von MAN und „eine Fusion unter Gleichen“.

Der Einstieg von VW bei MAN war für Scanias zweitgrößten Aktionär, die Holding der Wallenberg-Familie namens Investor, „keine Überraschung“. Ihr Sprecher Fredrik Lindgren sagte dem Handelsblatt, dass „wir über diese Pläne informiert waren“. Man habe seit langem eine sehr gute Zusammenarbeit mit VW. Der VW-Kauf eines 15-prozentigen Anteils an MAN verändere zunächst nichts an der Situation. „Wir wollen die beste Lösung für Scania finden und gucken uns verschiedene Alternativen an“, sagte der Investor-Sprecher. Weitere Einzelheiten wollte er jedoch nicht sagen. Die Wallenberg-Familie hält über Investor und ihre Stiftung knapp 30 Prozent der Stimmrechte bei Scania.

Persönliche Eitelkeiten

Am Stammsitz von Scania in Södertälje gab man sich nach dem VW-Einstieg bei MAN zugeknöpft wie gewohnt. „Konkret hat sich nach dem VW-Einstieg bei MAN nichts verändert“, sagte Scania-Sprecherin Cecilia Edström dem Handelsblatt. Allerdings fügte sie hinzu, dass der Einstieg von VW beim deutschen LKW-Hersteller die gegenwärtige Situation „beeinflussen“ könne. „Wir haben weiterhin ein Angebot von MAN auf dem Tisch liegen, über das die Aktionäre entscheiden müssen“, so Edström.

Die weitere Strategie von Scania-Chef Östling ist unklar. Es ist in Stockholm ein offenes Geheimnis, dass Östling auch aus persönlichen Gründen nicht unter seinem ehemaligen Mitarbeiter und jetzigen MAN-Chef Håkan Samuelsson als Boss eines neuen VW-MAN-Scania-Konzerns arbeiten will. Gleichzeitig mehren sich in Schweden die Stimmen derjenigen, die seine ablehnende Haltung gegenüber einer Konsolidierung in der Branche kritisieren. „Er hat viel für Scania getan, den Konzern zum rentabelsten LKW-Bauer der Welt gemacht, aber nun scheint seine Zeit abgelaufen zu sein“, sagte ein Analyst.

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