ZF Friedrichshafen
Autozulieferer geht auf Einkaufstour

ZF Friedrichshafen hat das Bieterrennen um Haldex gewonnen. Der Autozulieferer bietet 462 Millionen Euro für den schwedischen Bremsenspezialisten. Zugleich legte der Konzern robuste Halbjahreszahlen vor.

StuttgartZF Friedrichshafen nimmt den Bieterkampf mit dem Achsenhersteller SAF-Holland um die schwedische Haldex auf. Der drittgrößte deutsche Autozulieferer will sein Geschäft im Nutzfahrzeugbereich mit der Übernahme in Schweden stärken. Der Stiftungskonzern bietet umgerechnet 462 Millionen Euro für den Lkw-Bremsen- und Federn-Spezialisten und hat damit das Management von Haldex auf seine Seite gezogen, wie beide Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Mit 100 schwedischen Kronen je Aktie ist das Übernahmeangebot aus Friedrichshafen um 5,58 Kronen höher als die Offerte von SAF-Holland.

„Wir sind davon überzeugt, dass unsere Unternehmen sich bestens ergänzen und ein Zusammenschluss klare Vorteile für alle Stakeholder mit sich bringt“, sagte ZF-Chef Stefan Sommer. Er sei zuversichtlich, die Marktposition von Haldex nach einem Zusammenschluss weiter erfolgreich ausbauen zu können. Die Hoffnung von Anlegern auf ein zweites, höheres Angebot für Haldex hatte deren Aktien nach oben getrieben: Mit 104,25 Kronen schlossen sie am Mittwoch noch über der ZF-Offerte.

Die Übernahme von Haldex ermöglicht für ZF den Transfer von Technologie-Knowhow im Bereich Kraftstoffeffizienzlösungen, dem autonomen Fahren und Sicherheitssystemen vom Pkw- auf den Nutzfahrzeugbereich. Auch Magnus Johansson, Mitglied und Sprecher des Haldex Boards, kommentierte das Zusammengehen mit den Friedrichshafenern positiv: „Die Leistungsstärke von ZF in den Bereichen Elektronik und Softwareentwicklung, gepaart mit der globalen Präsenz und dem Kundenzugang, bieten Haldex herausragendes Wachstumspotential.“

Das Angebot unterliegt einer Reihe üblicher Abschlussbedingungen, einschließlich einer Annahmequote von 90 Prozent der im Umlauf befindlichen Haldex-Aktien und Genehmigung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. ZF werde die Transaktion in Kürze bei den relevanten Behörden vorlegen.

ZF ist mit der Milliarden-Übernahme von TRW im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von knapp 30 Milliarden Euro gewachsen und den Branchenführern Bosch und Continental näher gerückt. Mit TRW bekam der Getriebe und Fahrwerkshersteller Zugang zu Fahrerassistenzsystemen, die für das Autonome Fahren unverzichtbar sind.

Jetzt wird klar, dass es Sommer kürzlich ernst damit meinte, dass ZF mit weiteren Zukäufen technologische Lücken schließen werde. Erst in dieser Woche hatte sich ZF mit 40 Prozent am Lidar-Spezialisten Ibeo beteiligt und sich damit wichtige Technologie für das Roboterauto gesichert. Lidar ist eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung.

Flankiert wird Sommers Expansionsstrategie von robusten Zahlen im ersten Halbjahr. Der Umsatz stieg organisch um fünf Prozent auf 17,8 Milliarden Euro und das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) auf 1,1 Milliarden Euro, was einer bereinigten Ebit-Marge von 6,3 Prozent entspricht. „Unsere verbesserte operative Performance und realisierte Synergien im Rahmen der Integration von ZF TRW haben unsere bereinigte Ebit-Marge im ersten Halbjahr deutlich steigen lassen“, betont ZF-Finanzvorstand Konstantin Sauer. Die Nettoschulden verringerten sich auf 7,2 Milliarden Euro.

Die Geschäftszahlen sind nur bedingt mit dem Vorjahreszeitraum vergleichbar, da das erste Halbjahr 2015 maßgeblich durch Sondereffekte aus dem Kauf von TRW und dem Verkauf des 50-prozentigen Anteils an ZF Lenksysteme geprägt war. Im April hat die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonitätsbewertung von ZF um eine Stufe auf BB+ angehoben. Im Juni stufte Moody’s das Rating ebenfalls eine Stufe höher mit Ba1 und einem positiven Ausblick ein.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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