Zuckerkonzern
EU hat Bedenken gegen Südzucker-Deal

Die geplante Kooperation der Südzucker AG mit dem britischen Agrar-Rohstoffhändler ED&F Man wackelt. Die EU-Kommission leitete eine vertiefte Untersuchung ein. Für Südzucker wäre ED&F eine wichtige Handelsplattform.
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BrüsselDie europäischen Wettbewerbshüter haben offenbar Bedenken gegen die geplante strategische Zusammenarbeit der deutschen Südzucker AG mit dem britischen Agrar-Rohstoffhändler ED&F Man Ltd. Informationen des Handelsblattes zufolge wird die Kommission eine vertiefte Untersuchung einleiten. Ein entsprechender Beschluss war für den späten Mittwochabend erwartet worden. Die endgültige Entscheidung über den Deal dürfte dann im März 2012 fallen.

Europas größter Zuckerkonzern Südzucker war vorbehaltlich der wettbewerbsrechtlichen Zustimmung im Frühsommer diesen Jahres im Zuge einer Kapitalerhöhung eine Beteiligung an dem Agrar-Rohstoffhändler ED&F Man in Höhe von 25 Prozent minus einer Aktie eingegangen. Der Kaufpreis für diese Transaktion liegt bei 180 Millionen Euro. Mit diesem Schritt will Südzucker Zugang zum weltweiten Handelsnetz von ED&F Man erhalten und damit eine Plattform für den weiteren Ausbau des eigenen Geschäfts außerhalb Europas erlangen. In Brüssel gibt es nun aber offenbar die Sorge, dass die Marktmacht von Südzucker zu groß werden könnte.

Angesichts des regulierten EU-Zuckermarkts versucht Südzucker seit geraumer Zeit, andere Einkunftsquellen zu erschließen, beispielsweise mit der Herstellung von Fruchtsaftkonzentraten und Nahrungsmittelzusätzen sowie von Bio-Ethanol bei der Tochter CropEnergies. Zucker trägt aber bis dato gut die Hälfte zum Umsatz und einen noch größeren Anteil am operativen Gewinn bei.

ED&F Man hat eine führende Position im weltweiten Handel mit verschiedenen Agrarrohstoffen wie Zucker, Kaffee und Melasse. Im Zuckerbereich ist das Unternehmen weltweit zweitgrößter Händler mit einem Handelsvolumen von rund 8,5 Millionen Tonnen im Jahr 2010. Ferner hält ED&F Man über Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen Produktions- und Raffinationskapazitäten in Höhe von rund 2,5 Millionen Tonnen Zucker.

„Beide Partner sehen in der Transaktion eine Plattform für eine verstärkte Zusammenarbeit, bei der Südzucker das industrielle Know-how und ED&F Man seine globale Position auch außerhalb des Zuckergeschäfts mit entsprechenden internationalen Kontakten einbringen wird“, hieß es seinerzeit in einer Mitteilung von Südzucker.

Synergieeffekte sollten sich vor allem in den Bereichen Zuckerproduktion und -raffination, der Rohzuckerbeschaffung, der Logistikoptimierung sowie im Bereich der Futtermittelvermarktung ergeben. Das Kalkül: Durch die Beteiligung von Südzucker erhielte ED&F Man eine Verstärkung der Kapitalbasis, weitere Wachstumsaussichten und die Möglichkeit, Chancen auf den sich schnell verändernden Rohstoffmärkten besser zu nutzen.

Südzucker ist mit den Segmenten Zucker, Spezialitäten, CropEnergies und Frucht eines der führenden Unternehmen der Ernährungsindustrie. Im traditionellen Zuckerbereich ist die Gruppe weltweit die Nummer eins mit 29 Zuckerfabriken und drei Raffinerien. Mit 17 700 Mitarbeitern erzielte der Konzern 2010/11 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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