Zukunft der Chiphersteller
Chipbranche zappelt im Netz der Politik

Mehr als zehn Jahre hat der US-Chiphersteller AMD Prozessoren und Chips in Dresden gefertigt, nun baut der Konzern einen alternativen Produktionsstandort. Immer häufiger kehrt die Chipbranche Europa den Rücken. Zwar setzen sich Politiker hierzulande öffentlich für die Hersteller ein – doch es mangelt an konkreter Unterstützung.

DRESDEN/MÜNCHEN. In ein paar Tagen rollen auf dem Luther Forest Technology Campus im US-Bundesstaat New York die Bagger an, um mit dem Bau der neuen Chipfabrik der AMD-Tochter Globalfoundries zu beginnen. Über zehn Jahre lang hat der amerikanische Halbleiterhersteller AMD Dresden die Treue gehalten und alle seine Prozessoren an der Elbe gefertigt. Bald hat der Konzern eine Alternative. Weil die Amerikaner die Chipbranche deutlich stärker fördern als die Europäer, investiert Globalfoundries 4,2 Mrd. Dollar in seinem Heimatland.

Der Werksneubau im Staat New York ist kein Einzelfall: Schon seit Jahren investiert die Branche immer seltener in Europa. Und das, obwohl Politiker in ihren Reden gerne hervorheben, wie wichtig die Industrie sei. So auch jüngst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Blick auf Dresden. Die Politik sei gefordert, sagte sie, zusammen mit AMD und Infineon den einzigen Cluster für Chiphersteller in Europa noch so weit zu betreuen, dass es eine Zukunft geben könne. Schließlich habe etwa der amerikanische Weltmarktführer Intel Milliarden aus einem Hilfsprogramm erhalten.

Von konkreter Unterstützung kann freilich keine Rede sein. „Uns ist nichts bekannt“, sagte ein Infineon-Sprecher dem Handelsblatt. Verwundert gibt sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD): „Ich hoffe, es ist von Frau Merkel Einsicht und nicht pures Lippenbekenntnis mit Blick auf Wählerstimmen.“

Im Kanzleramt sowie im Bundeswirtschaftsministerium allerdings herrscht betretenes Schweigen, wenn es um neue Initiativen zur Stützung der Halbleiterindustrie geht. Schon dieses Frühjahr haben sich die Politiker in Bund und Ländern geweigert, dem insolventen Chiphersteller Qimonda unter die Arme zu greifen. Qimonda hat ein großes Werk in Dresden betrieben. Jetzt sind an der Elbe nur noch Globalfoundries und Infineon mit Fabriken vertreten.

Auch die EU lässt die Firmen zappeln. Industriekommissar Günter Verheugen arbeitet zwar derzeit an einem Strategiepapier, in welcher Form dem Sektor geholfen werden könnte. Laut Verheugens Sprecher wird es aber nur eine sogenannte Mitteilung geben und nicht, wie zunächst angekündigt, ein Weißbuch und damit konkrete Vorschläge. Eine Mitteilung dagegen ist eine unverbindliche Ankündigung, die bestenfalls Empfehlungen enthält.

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