Zurückhaltung
Philips blickt skeptisch aufs Weihnachtsgeschäft

Trotz leichten Umsatzwachstums und eines deutlichen Gewinnsprungs bleibt das Management für das laufende Quartal zurückhaltend. Philips profitierte weiterhin vom Boom der Leuchtdioden-Technik (LED). In den roten Zahlen blieb das TV-Geschäft.
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FRANKFURT. Der niederländische Elektronikkonzern Philips geht zurückhaltend ins Weihnachtsgeschäft. „Angesichts der ungewissen Wirtschaftsentwicklung und des fragilen Verbrauchervertrauens bleiben wir vorsichtig, was die Umsatzentwicklung im laufenden Quartal betrifft“, sagte Philips-Finanzvorstand Pierre-Jean Sivignon. Bereits von Juli bis September schwächte sich das Umsatzwachstum – wie vom Unternehmen angekündigt – kräftig ab. Die Anleger zeigten sich daher enttäuscht: An der Amsterdamer Börse sackte die Aktie gestern zeitweise um bis zu fünf Prozent ab.

Dennoch gab es auch positive Nachrichten: Mit seinen drei Geschäftssparten Gesundheit, Konsumelektronik und Lichttechnik meldete Philips das fünfte Quartal in Folge starke Gewinne. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) verdoppelte sich im dritten Quartal 2010 nahezu von 344 Mio. auf 648 Mio. Euro. Die Ebita-Marge lag nach den ersten neun Monaten bei 10,1 Prozent. Die für das Gesamtjahr angepeilte Ebita-Marge von zehn Prozent sei erreichbar, betonte Sivignon.

Unter dem Strich verdreifachte sich der Gewinn des Siemens-Konkurrenten von Juli bis September im Vorjahresvergleich auf 524 Mio. Euro. Damit konnte Philips die Erwartungen von den durch Bloomberg befragten Analysten von durchschnittlich 358 Mio. Euro schlagen. Der Konzern profitierte dabei auch vom Verkauf der restlichen Beteiligung am Halbleiterhersteller NXP, der zu einem Gewinn von 154 Mio. Euro führte.

Die Umsätze steigerte Philips auf vergleichbarer Basis dagegen nur um ein Prozent auf 6,2 Mrd. Euro. Die zurückhaltenden Äußerungen des Vorstands im Hinblick auf die Einnahmen im vierten Quartal bezeichnete RBS-Analyst Daniel Cunliffe als typisches Muster. Denn nach wie vor bieten die Schwellenländer viel Potenzial. So stärkt Philips seine Präsenz in China, Brasilien und Indien. Fünf kleinere Unternehmenskäufe waren es allein im dritten Quartal. Auf vergleichbarer Basis erhöhten sich die Umsätze in diesen Ländern um sieben Prozent auf 2,1 Mrd. Euro.

Zufrieden zeigte sich Finanzvorstand Sivignon mit dem Lichtgeschäft. Philips profitierte weiterhin vom Boom der Leuchtdioden-Technik (LED). Der LED-Umsatz schnellte im Vorjahresvergleich um satte 68 Prozent nach oben. Sivignon betonte zugleich, dass alle Produktkategorien der Lichtsparte wuchsen – obwohl das Geschäft mit gewerblichen Kunden wegen der schwachen Baukonjunktur schwierig blieb.

Die Umsätze in der Medizintechnik konnte Philips nur um vier Prozent auf 2,1 Mrd. Euro steigern. Die Erlöse hinkten nach wie vor den Auftragseingängen hinterher, die dank der Schwellenländer und des wieder anziehenden Nordamerikageschäfts um sieben Prozent zulegten. Philips erwartet, dass sich die gute Auftragslage spätestens Mitte 2011 positiv auf die Umsätze auswirkt. Mit einer Ebita-Marge von 13,6 Prozent ist die Profitabilität der Sparte aber schon jetzt exzellent.

In den roten Zahlen blieb das zur Konsumelektroniksparte gehörende TV-Geschäft: Die Erlöse sanken um zwölf Prozent, das Ebita lag bei minus 31 Mio. Euro. Die Fußball-WM in Südafrika hatte im Vorquartal für einen positiven Ausreißer gesorgt – der allerdings nicht so stark ausfiel wie erwartet. Da Philips die Lagerbestände an Fernsehern nicht – wie erhofft – abbauen konnte, sank der operative Cash-Flow im dritten Quartal von 470 Mio. im Vorjahr auf nur acht Mio. Euro. Die höheren Investitionen in der Lichtsparte führten zu einem negativen Free Cash-Flow von 200 Mio. Euro. „Am Abbau unserer Vorräte müssen wir im vierten Quartal dringend arbeiten“, sagte denn auch Finanzchef Sivignon. Das frei werdende Geld kann er gut gebrauchen – denn Philips will auch künftig sein Portfolio durch Zukäufe stärken.

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