Zustimmung der Gläubiger zur Rettung unsicher
Regierung will Plan für Parmalat genehmigen

Sechs Monate nach dem Zusammenbruch des Milchkonzerns Parmalat hat Insolvenzverwalter Enrico Bondi gestern der Regierung in Rom seinen Sanierungsplan übergeben. Das Papier enthält die Eckpfeiler für die Neugründung und die künftige Strategie des Unternehmens.

mab MAILAND. Der Neustart soll durch die Umwandlung von Krediten und Schuldverschreibungen in Eigenkapital, also Aktien, gelingen.

Parmalat war Ende 2003 unter einem Schuldenberg von rund 14 Mrd. Euro zusammengebrochen. Ursache war einer der größten Betrugsskandale der europäischen Firmengeschichte. Der Firmengründer und Mehrheitseigner Calisto Tanzi ist neben einigen Familienmitgliedern wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt worden.

Industrieminister Antonio Marzano hat 30 Tage Zeit, um über den Plan zu entscheiden. Er signalisierte, dass er den Plan so schnell wie möglich genehmigen wolle: „Es gibt kein präzises Datum, aber es wird bald geschehen. Die vom Gesetz geforderte Billigung der Regierung scheint also eine reine Formalie zu sein.

Anders sieht es mit der ebenfalls notwendigen Zustimmung der Gläubiger aus. Nach einem Treffen mit Bondi Anfang Juni hatten sich mehrere Gläubigervertreter beklagt, immer noch keine Details des Umtausches von Obligationen in Aktien zu kennen. Gestern war zunächst unklar, ob diese Informationen Teil des Plans sind oder ob Bondi weitere Treffen mit den Gläubigern benötigt, um die Umtauschquoten festzulegen. Aus dem Umfeld des Insolvenzverwalters war zu erfahren, dass die verschiedenen Gläubigerklassen wohl unterschiedlich behandelt werden sollen.

Die Tageszeitung „La Republica“ schreibt ohne Nennung von Quellen, dass die Besitzer von Anleihen der Parmalat SpA mit einer Quote von zehn Prozent des eingesetzten Kapitals voraussichtlich schlechter abschneiden werden als Obligationäre der Parmalat Finanziaria mit 15 Prozent. Gläubiger kleinerer Töchter des verschachtelten Konzerns könnten auf die Erstattung aller Mittel hoffen. Ein Parmalat-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Der Industrieminister teilte mit, dass alle Vermögenswerte von Parmalat in eine neue Gesellschaft einfließen sollen. Diese werde ins Eigentum einer Stiftung übergehen, die den Umtausch in der Schulden in Eigenkapital abwickeln werde.

Auf der industriellen Seite sieht der Sanierungsplan eine Konzentration auf die profitabelsten Geschäftsfelder vor – also Milch, margenträchtige Milchprodukte und Fruchtsäfte. Viele Tochterfirmen sollen verkauft werden. Die Belegschaft von derzeit 34 000 Menschen soll stark schrumpfen. Zudem soll sich der Konzern auf erfolgreiche Märkte wie Italien und Kanada konzentrieren. „Wenn der Plan umgesetzt wird, wird das Unternehmen bereits 2005 und 2006 starke Gewinne erzielen,“ sagte Marzano. Im laufenden Jahr werde Parmalat hingegen noch einen kleinen Nettoverlust schreiben. 2003 hatte die Gruppe bei 3,8 Mrd. Euro Umsatz einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 220 Mill. Euro erwirtschaftet. 2006 sollen es nach Bondis Plan 3,9 Mrd. Euro Umsatz und 437 Mill. Euro Ebitda sein.

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