Zwischenbilanz nach der Elefantenhochzeit von Eon und Ruhrgas
Bei Eon macht sich Ernüchterung breit

Es war eine der umstrittensten industriepolitischen Entscheidungen in der Bundesrepublik: Vor bald drei Jahren billigte das Bundeswirtschaftsministerium gegen die Bedenken des Kartellamts per Ministererlaubnis die Fusion des Energiekonzerns Eon mit Deutschlands größter Gasgesellschaft Ruhrgas.

Der Widerstand der Konkurrenz gegen die Elefantenhochzeit war enorm. Genauso große Worte wählte das Ministerium, um seinen Schritt zu begründen. Durch die Fusion sollte ein Global Player auf dem Energiemarkt geschaffen werden, ein deutsches Unternehmen, das international in der ersten Liga spielt, um letztlich nichts Geringeres als die Versorgungssicherheit der Nation zu gewährleisten.

Doch die Zwischenbilanz löst Ernüchterung aus. Die Ruhrgas ist im Bemühen, international zu expandieren und sich Zugang zu Gasquellen zu verschaffen, trotz des neuen finanzstarken Mutterkonzerns bisher nicht entscheidend vorangekommen. Im Gegenteil: Eon-Chef Wulf Bernotat muss heute auf der Hauptversammlung in Essen seinen sonst erfolgsverwöhnten Aktionären erklären, warum der Konzern jüngst eine schwere Niederlage einstecken musste.

Der Chemiekonzern BASF, dessen Öl- und Gastochter Wintershall mit Ruhrgas konkurriert, hat dem Branchenprimus ein wichtiges Prestigeprojekt vor der Nase weggeschnappt. Vor zwei Wochen auf der Hannover-Messe besiegelte BASF-Chef Jürgen Hambrecht mit dem Vorstandsvorsitzenden des russischen Gazprom-Konzerns, Alexej Miller, eine umfassende Kooperation. Die beiden Unternehmen arbeiten künftig eng zusammen: bei der Erschließung neuer Gasfelder, beim Bau von Pipelines bis hin zum Vertrieb über das Joint Venture Wingas.

Schmerzlich für Eon ist vor allem, dass der weltgrößte Gasproduzent die Wintershall AG an der Ausbeutung des Feldes Juschno Russkoje beteiligen wird. Ebenjenes lukrative Projekt hatte Miller im Sommer letzten Jahres noch Bernotat angeboten. Der Eon-Konzern wollte mit dem „Kronjuwel“ (Originalton Bernotat) das selbst gesteckte Ziel, seinen Bezug von Erdgas zu 15 bis 20 Prozent aus eigener Produktion zu decken, auf einen Schlag erreichen.

Nun muss Eon diesem Ziel weiter hinterherlaufen – und bleibt damit den Nachweis schuldig, ob bei der umstrittenen Fusion tatsächlich, wie vom Bundeswirtschaftsministerium behauptet, die „gesamtwirtschaftlichen Vorteile“ die „wettbewerblichen Nachteile“ überwiegen. Mit der Ministererlaubnis wollte die Behörde schließlich Ruhrgas ausdrücklich in die Lage versetzen, Erdgas nicht mehr nur im Rahmen langfristiger Verträge zu importieren, sondern sich verstärkt an Gasproduzenten und Gasfeldern zu beteiligen – insbesondere in Russland. Die erforderliche Finanzkraft sollte der neue Mutterkonzern bereitstellen.

Eon gibt sich zwar noch nicht geschlagen und verhandelt weiter mit Gazprom. Der Konzern will sich jetzt als Juniorpartner an Yuschno Russkoje beteiligen und würde sich inzwischen mit einem Anteil von 25 statt von 50 Prozent begnügen. Doch ob dies auch gelingen wird, ist fraglich. Gazprom ist in einer starken Verhandlungsposition. Schließlich hat man mit BASF schon einen Partner gefunden und kann daher harte Bedingungen stellen: eine direkte Beteiligung an Ruhrgas. Die Ministererlaubnis mag Eon und Ruhrgas zu starken internationalen Spielern gemacht haben, aber es gibt offenbar noch stärkere.

BASF bereitete Eon eine weitere Niederlage

Die Niederlage, die BASF Eon bereitet hat, stellt den Sinn staatlicher Einmischung in die Marktverhältnisse grundsätzlich in Frage. BASF und Wintershall haben mit Gazprom ein Abkommen geschlossen, das Bundeskanzler Gerhard Schröder selbst als „historisch“ bezeichnet hat und das die Versorgung sichern soll. Und BASF ist damit aus eigener Kraft gelungen, wozu die Ministererlaubnis eigentlich Eon befähigen sollte. So weit zu den vermeintlich gesamtwirtschaftlichen Vorteilen, die die Fusion von Eon und Ruhrgas bescheren sollte.

Auch die Bedenken der Wettbewerber gegen die Elefantenhochzeit sind noch aktuell. Zwar muss sich Eon Ruhrgas zahlreichen Auflagen des Wirtschaftsministeriums unterwerfen. Doch ist der Konzern noch immer der mit Abstand größte deutsche Gasimporteur. Auf dem Gasmarkt haben es neue Konkurrenten damit noch schwerer, Fuß zu fassen, als auf dem Strommarkt. Ob die neue Regulierungsbehörde daran etwas ändern kann, bleibt abzuwarten. Die Kritiker der Fusion von Eon und Ruhrgas können sich bestätigt fühlen – für jene, die sich bislang vergeblich am deutschen Gasmarkt abmühen, ist das ein schwacher Trost.

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