Analysten hoffen auf Outsider als neuen Chef
Motorola muss viele alte Drähte kappen

Zum 75jährigen Jubiläum der Motorola Inc., Schaumburg/Illinois, tat sich Christopher Galvin, der distinguierte Spross der Gründerfamilie, einen Gefallen. Am 19. September gab die Firma seinen Rücktritt als Chef des weltbekannten Herstellers von Mobiltelefonen, Halbleitern und Telekomausrüstung bekannt.

HB PORTLAND Der Motorola-Kurs stieg am nächsten Börsentag um fast 10 % und erhöhte den Wert von Galvins Beteiligung um rd. 18 Mill. $. Aber die Freude währte nur kurz. Obwohl eine Reihe von Analysten den Wert in ihrer Beurteilung heraufsetzten, geriet der Kurs, der seit Anfang 2000 um etwa 80 % absackte, wieder ins Rutschen. In die Erleichterung über Galvins Rücktritt mischte sich die Furcht, dass die Suche nach einem Nachfolger bei einem Kandidaten aus Insiderkreisen enden könnte, der vor harten Sanierungsschritten zurückscheut.

Motorola, mit einem Umsatz von 27,3 Mrd. $ im vergangenen Jahr, gilt in den USA immer noch als eine der Technologieperlen. Global ist die Firma der drittgrößte Anbieter von Mobiltelefonen, die etwa 40 % ihres Umsatzes bringen. Daneben stellt der Konzern noch eine breite Palette von Elektronik-Produkten her, von Halbleitern über automobilen Navigations- und Telefonsystemen bis zu drahtloser Telekom-Infrastruktur. „Die sind überall dabei, aber nirgendwo führend“, kommentiert Telekom-Analyst Brian Modoff von der Deutschen Bank. Als langjähriger Motorola-Pessimist setzte er gerade seine Bewertung von „Verkaufen“ auf „Halten“ herauf. Eine starke neue Führung könnte die im Unternehmen vorhandenen Werte besser realisieren.

Obwohl Motorola unter Chris Galvin 56 000 Stellen abbaute und zahlreiche Werke schloss, gilt der Konzern immer noch als zu fett und zu langsam. Unter Galvins Vater, Robert Galvin, versenkte Motorola Milliarden in das Satellitenkommunikations-Abenteuer Iridium und verschlief den Wechsel von analoger zu digitaler Mobiltelefonie. Auf eine Ingenieurstradition und hohe Produktqualität eingeschworen, geriet der Konzern auf seinem wichtigsten Geschäftsfeld gegenüber beweglichen und marktorientierten Wettbewerbern wie Nokia, Sony, Samsung oder LG Electronics in Hintertreffen. Die Produktentwicklung ist zu behäbig, die Produktpalette zu breit und die Kosten sind zu hoch, kritisieren Analysten. Im zweiten Quartal hatte Motorola im Handy-Geschäft eine Gewinnmarge von 3,3 %, gegenüber Nokias 23 %.

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