Angriff auf Fernost
Chip-Produzent bringt sich in Stellung

Gute Nachrichten für das wegen der Qimonda-Pleite angeschlagene „Silicon Saxony“: Der Dresdner Halbleiterproduzent Globalfoundries kommt auf der Suche nach neuen Abnehmern für seine Chips voran. Mit den ehemaligen AMD-Werken will der Chiphersteller die Konkurrenz aus Fernost angreifen

MÜNCHEN. „Wir erwarten, bis Jahresende weitere Kunden bekanntgeben zu können“, sagte Globalfoundries-Chef Doug Grose dem Handelsblatt. Das Interesse der Chipbranche sei groß, die zwei Werke des Unternehmens an der Elbe zu nutzen. Davon könnte die ganze Region um Dresden, wegen der vielen Mikroelektronik-, Halbleiter- und Photovoltaikhersteller auch Silicon Saxony genannt, profitieren. Deren Ruf ist seit der Pleite von Qimonda im Frühjahr angekratzt.

Globalfoundries gibt es erst seit diesem Frühjahr. Der amerikanische Chip-Produzent AMD hat seine beiden Fabriken in Sachsen in dieses Joint Venture mit der Advanced Technology Investment Company (ATIC) aus Abu Dhabi eingebracht. Künftig sollen die Fabriken nicht mehr nur an AMD liefern, sondern auch an andere Hersteller. Einen Kunden hat Globalfoundries mit ST Microelectronics schon gefunden. Die ersten Halbleiter im Auftrag des europäischen Marktführers sollen Anfang 2010 produziert sein.

Die Araber sorgen dafür, dass das junge Unternehmen kräftig expandieren kann. So entsteht in den USA eine neue Fabrik. Gleichzeitig will ATIC den Globalfoundries-Wettbewerber Chartered Semiconductor aus Singapur für 1,8 Mrd. Dollar übernehmen. Das eröffnet den Dresdnern neue Perspektiven. Vorstandschef Grose: „Wir machen uns intensiv darüber Gedanken, wie wir Chartered integrieren können. Zwischen beiden Firmen gibt es ganz erhebliche Synergien.“

Bislang haben die Fabriken in Dresden mit ihren 2 400 Mitarbeitern ausschließlich für AMD produziert. Doch der verlustreiche US-Konzern konnte sich die teuren Werke schon lange nicht mehr leisten. In der Rezession sind die hochmodernen Maschinen nicht einmal annähernd ausgelastet. Deshalb produziert Globalfoundries auch für andere Halbleiteranbieter Chips.

Bislang waren die großen Auftragsfertiger, die sogenannten Foundries, ausschließlich in Asien angesiedelt. Weltmarktführer ist TSMC aus Taiwan. In Europa gibt es nur Nischenanbieter in diesem Bereich, etwa X-Fab aus Erfurt. Globalfoundries will nun beweisen, dass ein größerer Auftragsarbeiter auch in einem Industrieland betrieben werden kann. Die Branche verfolgt die Entwicklung sehr aufmerksam. „Die entwickeln sich zum einzigen ernsthaften Wettbewerber von TSMC“, sagte der Chef eines Konkurrenten.

Aus Sicht von Experten ist der Betrieb der Werke in Dresden ein großer Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz aus Billiglohnländern. Das leistet sich keiner der großen Konkurrenten. Und der Druck wächst. So zimmert Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher aus zwei kleineren Firmen einen neuen Auftragsfertiger in China.

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