Angriff im Web
Ein Geschäft, das keine Krise kennt

Noch nie waren private und geschäftliche Computer so stark kriminellen Attacken ausgesetzt wie heute. Da ist es kein Wunder, dass das Geschäft mit IT-Sicherheit boomt, als gäbe es keine Krise. Jetzt bekommen die Hersteller von Sicherheitslösungen beim Werben um neue Kunden auch noch kräftig Unterstützung vom Staat.

MÜNCHEN. Es sind Zahlen, die jedem Computernutzer den Schweiß auf die Stirn treiben. Allein im September hat der mittelständische IT-Dienstleister Datev 2,3 Mio. Versuche abgewehrt, illegal auf die Rechner seiner Kunden zuzugreifen. Im selben Zeitraum haben die Systeme der Nürnberger Genossenschaft 112 306 Viren im Mailverkehr und beim Aufruf von Webseiten entdeckt und geblockt.

Noch nie waren Computer, private wie die von Firmen, so stark kriminellen Attacken ausgesetzt wie jetzt. Da ist es kein Wunder, dass das Geschäft mit IT-Sicherheit boomt, als gäbe es keine Krise. Das Beratungshaus Experton Group erwartet für Deutschland dieses Jahr ein Umsatzwachstum in diesem Bereich von sechs Prozent auf 4,1 Mrd. Euro. Nächstes Jahr soll der Markt um sieben Prozent wachsen, 2011 dann sogar zweistellig. Zum Vergleich: Die gesamten IT-Umsätze werden 2009 nach Angaben des Branchenverbands Bitkom vermutlich um mehr als zwei Prozent schrumpfen.

Das Geschäft mit der Angst ist inzwischen so attraktiv, dass die Anbieter sich in dieser Woche zu einer eigenen Messe getroffen haben. Immerhin 256 Aussteller haben in Nürnberg gezeigt, was sie an Soft- und Hardware sowie Dienstleistungen rund um die Computersicherheit zu bieten haben.

Erst vergangene Woche haben sich Kriminelle mehrere Tausend Passwörter von E-Mail-Konten erschlichen. Beim sogenannten Phishing fälschen Computerexperten Websites, um Nutzern sensible Daten zu entlocken. Die Angreifer bauen die Internetportale von Banken, E-Mail-Anbietern oder Online-Netzwerken nach. Dann locken sie Nutzer – etwa mit Spam-Mails – auf die Seiten. Wenn das Opfer dort seine Daten preisgibt, können sich die Drahtzieher Zugang zum Benutzerkonto verschaffen.

Die Hersteller von Sicherheitslösungen bekommen im Werben um neue Kunden kräftig Unterstützung vom Staat. „Die elektronischen Attacken nehmen zu“, warnt Udo Schauff von der Abteilung Spionageabwehr des Verfassungsschutzes. „Die Angriffe werden immer personalisierter und auf den Empfänger zugeschnitten.“ Vor allem russische und chinesische Geheimdienste hätten die deutschen Unternehmen ins Visier genommen.

Vor allem Mittelständler würden die Gefahren noch unterschätzen, klagt Heinz-Paul Bonn, Vizepräsident des Bitkom. Das habe seinen Grund: „Der Nutzen von Investitionen in IT-Sicherheit kann meist nur schwer gemessen und daher nicht direkt monetär bewertet werden.“ Folglich fließe das Geld meist dorthin, wo sich direkt Umsatz erzielen lasse.

Seite 1:

Ein Geschäft, das keine Krise kennt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%