Arbeitsbedingungen
Apple nimmt Foxconn an die Kandare

Massive Kritik an den Arbeitsbedingungen des Zulieferers Foxconn gab Apple Zunder. Das Unternehmen trat der Fair Labor Association bei, die Foxconn prüfte - und Probleme fand. Das lässt Apple nicht auf sich sitzen.
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New York/San FranciscoDie von Apple selbst eingefädelte unabhängige Inspektion seines wichtigsten Fertigers Foxconn hat zahlreiche Probleme aufgedeckt. Darunter seien zu lange Arbeitszeiten und mangelhafte Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen, berichtete die Fair Labor Association (FLA) am Donnerstag. Foxconn habe zugesagt, die Mängel zu beheben, hieß es.

Das Unternehmen produziert in seinem riesigen chinesischen Werken unter anderem iPhone und iPad-Tablets. Apple war Anfang des Jahres als erstes Unternehmen der Elektronikbranche der FLA beigetreten, die unabhängige Inspektionen von Fabriken durchführt. Zugleich hatte der US-Konzern seit mehreren Jahren eigene Kontrollen bei Zulieferern gemacht, die ebenfalls viele Mängel aufdeckten. Zuletzt war Apple-CEO Tim Cook nach China gereist. Er besuchte am Donnerstag die Foxconn-Betriebe.

Und nun geht der iPhone-Hersteller Apple in die Offensive: Die Kalifornier vereinbarten mit dem Unternehmen Foxconn weitreichende Verbesserungen in den chinesischen Fabriken.

So soll der asiatische Auftragsproduzent diverser Apple-Produkte von iPhone bis iPad Zehntausende neue Arbeiter einstellen, wie Apple nach Cooks Reise am Donnerstag mitteilte. Foxconn werde zudem illegalen Überstunden einen Riegel vorschieben, Sicherheitsmaßnahmen verstärken und die Unterbringung der Arbeiter verbessern.

Die Vereinbarung des wertvollsten börsennotierten Technologiekonzerns mit dem chinesischen Partner dürfte branchenweit Folgen haben. Foxconn wird zur Last gelegt, die Arbeiter unter sehr schlechten Bedingungen zu beschäftigen. Für negative Schlagzeilen sorgten zudem die Selbstmorde mehrerer Angestellter.

Doch Experten zufolge geht es vielen chinesischen Arbeitern in Zulieferbetrieben für westliche Konzerne noch schlechter. Kritiker wie unabhängige Arbeitsorganisationen hoffen, dass mit Apples Schritt nun Standards gesetzt werden.

Auch für andere Foxconn-Vertragspartner wie Dell und Amazon könnten nun die Arbeitskosten steigen. Für die Verbraucher wird der Effekt dagegen als gering eingestuft, weil Ausgaben für die Arbeitskraft bei den meisten Technik-Produkten nur einen geringen Kostenfaktor darstellen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Abschließend möchte ich nur nochmal betonen, dass wir uns doch grundsätzlich einig sind, dass diese Probleme bestehen und für uns als Europäer diese Arbeitsbedingungen nicht akzeptabel und auch schwer nachvollziehbar sind. Und ja, es müssen Lösungen gefunden werden.

    Mein Ansinnen, war lediglich Denkanstoße zu geben. Es wird oft vergessen, dass mehrere Faktoren für diese Zustände und auch für die Standortauswahl ausschlaggebend sind. Meiner persönlichen Meinung nach, wird es sich zu einfach gemacht, immer auf "Profitgier" der bösen Unternehmen zu schimpfen und nach mehr Konzentration auf den heimischen Markt zu pochen. Ein mündiger Konsument, der wirklich will, kann sich über die heutigen medialen Möglichkeiten auch darüber Informieren, wie es jeweils um die unternehmerische Verantwortung steht. Das ist allerdings sehr zeitaufwendig und stellenweise auch kompliziert, hier fehlt auch ein System, das es den Verbraucher einfacher macht schnell Informationen zu bekommen.

    Nur sollten auch andere Instanzen wie z.B. auch der Staat und der Verbraucher selbst immer mitberücksichtigt werden. Es ist halt ein sehr kompliziertes Thema, welches einfache Kritik wie "Profitgier", etc. eigentlich verbietet (wieder: eine persönliche Meinung).

    Eine Forderung nach Abbau von Produktionsstätten in Entwicklungs-/ Schwellenländern halte ich persönlich einfach für eher gefährlich, als für förderlich.

    Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Aussage, dass das wichtigste ist, dass etwas an der Sache selbst getan werden muss. Aber von heute auf morgen wird das nicht passieren. Und der Schritt von Apple sich (als erstes Unternehmen dieser Branche) der FLA anzuschließen ist doch schon mal positiv, damit haben sie auch dazu beigetragen das Thema wieder öffentlicher zu machen und stellt das Unternehmen auch in öffentliche Disskusion. Wir müssen uns angewöhnen auch positive Sachen zu honorieren und nicht gleich nach dem nächsten negativen zu suchen.

  • Nehmen wir mal Bangladesh, da gibt es teilweise nichteinmal Betten, die im 3-Schichtbetrieb benutzt werden dürfen: das darf brav in den Slum zurückfahren, bei noch geringerem Stundenlohn: das nennen wir landesspezifische Gegebenheiten berücksichtigen?
    Ich weiß ja nicht: aber Sie werden uns das gewiss erklären können.

  • Bei Unternehmensplanung sieht man sich generell das Umfeld zunächst erst einmal an, das stimmt.
    Gleichwohl werden Sie doch zustimmen können, dass man bereits in der Projektierungsphase sich überlegt. Und Prozesssteuerung kann sich nur nur damit begnügen reine Prozessstrukturen im Auge zu behalten.
    Und wäre das nur in einem einzigen Entwicklungsland so, es wäre beschämend.
    und von "nur" hatte ich nicht geschrieben sondern von "Eintwicklungsland": das schwebst schon stark an Mentalimperialismus vorbei.
    Bei Produktionsstättenplanung gehört nun mal für AG im Rahmen ihrer Fürsorgeverpflichtung grundlegend dazu, dass man mit den MA menschenwürdig umgeht.
    Dass das ein derartigesProblem werden könnte, man hatte es geäußert. Nicht, dass da irgendjemand den Mund gehalten hätte.
    So, nun habt Ihr das in der Hand und Ihr seht wozu das geführt hat!
    Nicht dass hier irgendjemand klüger war oder klüger erscheinen möchte: Ihr habt das Thema jetzt auf dem Tisch.
    Also löst es.

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