ARD will tägliche Herz-Schmerz-Serie an Bavaria vergeben – Ufa produziert für ZDF und Sat 1
Filmstudios entdecken das Geschäft mit Telenovelas

Auf die deutschen Fernsehzuschauer rollt eine Telenovela-Welle zu. Im lateinamerikanischen oder spanischen Fernsehen sind die verfilmten Groschenromane ein sicherer Quotenbringer. Auch in Deutschland sollen nun die Herz-Schmerz-Geschichten ein Millionenpublikum erreichen.

DÜSSELDORF Nachdem das ZDF im November mit der täglichen Serie „Bianca – Wege zum Glück“ einen Überraschungserfolg erzielt hat, wollen auch Sat 1 und die ARD vom neuen Trend profitieren. Das ZDF verbucht derzeit mit seiner nachmittäglichen Telenovela Marktanteile von 16 Prozent.

Der Erfolg des Mainzer Senders lässt die Konkurrenz nicht ruhen. Der Privatsender Sat 1 startet daher Ende Februar eine eigene Telenovela namens „Verliebt in Berlin“ im Vorabendprogramm. „Telenovela ist ein natürlich positives Genre. Es ist im besten Sinne des Wortes ein positives Märchen“, sagt eine Sendersprecherin. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wächst nach Ansicht des Senders das Verlangen nach Harmonie auf dem Bildschirm. Mit der Ufa – Filmproduktionsfirma von Europas größtem Fernsehkonzern RTL Group – hat Sat 1 bereits 225 Folgen vereinbart.

Auch die ARD will jetzt auf den Telenovela-Zug aufspringen. Wie die Münchner Bavaria Film am Montag bestätigte, hat die ARD einen Pilotfilm für eine Telenovela in Auftrag gegeben. Eine Entscheidung, ob die ARD-Filmtochter tatsächlich eine Telenovela produziert, ist aber noch nicht gefallen. Branchenkenner gehen davon aus, dass eine solche Endlosgeschichte frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres starten könnte. Zu Start und Umfang des Auftrags wollte die Bavaria gestern allerdings nicht Stellung nehmen. ARD-Programmdirektor Günter Struve sagte letzte Woche: „Eine Geschichte, die in einem Strang erzählt wird, ist auch bei uns denkbar. Wir hatten schon in den achtziger Jahren mit der brasilianischen Telenovela ,Die Sklavin Isaura’ einen großen Erfolg.“

Für die Bavaria wäre der Zuschlag ein willkommener Umsatzschub. Die TV-Schnulzen sind bei den Filmstudios hoch begehrt. Denn sie gelten als profitables Brot- und-Butter-Geschäft. Insider gehen von einem Produktionsvolumen für die ARD-Telenovela von 15 bis 20 Mill. Euro für 200 Folgen aus. Die Bavaria Film („Marienhof“, „Die Manns“) – mehrheitlich im Besitz der Rundfunkanstalten WDR, MDR und SWR – erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 256,5 Mill. Euro.

Bisher hat im Wettbewerb um die lukrativen Telenovelas die Ufa („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) die Nase vorne. Die Filmtochter des Mediengiganten Bertelsmann produziert die Telenovelas für das ZDF und für Sat 1. Deutschlands größter TV-Produzent erreicht mit seinen sieben Firmen einen Anteil von knapp 17 Prozent am zwei Mrd. Euro schweren deutschen Fernsehfilmmarkt. Im vergangenen Jahr hat die Ufa unter der Führung von Wolf Bauer gut 320 Mill. Euro umgesetzt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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