Ashley Madison
Chef des Seitensprung-Portals muss gehen

Erst der gigantische Datendiebstahl, nun legen Dokumente nahe, der Vorstandschef von Ashley Madison war selbst auf dem Seitensprung-Portal aktiv. Noel Biderman, verheirateter Vater von zwei Kindern, tritt zurück.
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New YorkGelegenheit macht Diebe und Liebe. Die einen stehlen die Daten von 37 Millionen Kunden der Untreue-Agentur Ashley Madison (AM), die anderen werden schwach und nutzen ihre eigene Schöpfung schon mal aus. So wie anscheinend der 1972 in Toronto geborene CEO Noel Biderman. Zusammen mit Millionen anderer Daten veröffentlichten die Hacker von „The Impact Team“ vergangene Woche E-Mails von Biderman, die laut Buzzfeed.com belegen, wie er mit drei Frauen zumindest versuchte, Affären zu starten. In einem Fall sollen auch Geldzahlungen erfolgt sein.

Nun ist der „König der Untreue“, wie er genannt wird, ein Herrscher ohne Reich. „Mit sofortiger Wirkung und im gegenseitigen Einvernehmen tritt Noel Biderman als Vorstandschef von Avid Life Media zurück und ist nicht mehr im Unternehmen beschäftigt“, heißt es kurz angebunden auf der Webseite von Ashley Madison. Bis zur Ernennung eines neuen Chefs werde das bestehende Management-Team das Unternehmen leiten. Der verheiratete Vater zweier Kinder hatte das Portal 2001 zusammen mit seiner Frau gegründet, später war es von Avid Media übernommen worden. Seit 2007 war er auch Präsident der Gesellschaft.

Der Rücktritt war erwartet worden. Durch Veröffentlichung der gestohlenen Daten und Informationen geriet nicht nur der Chef selbst in Probleme. Millionen von Kunden bangen um ihre Karrieren oder ihre Ehen, weil ihre intimsten Daten an die Öffentlichkeit gelangten. In Deutschland sind alleine 423.000 Konten angemeldet worden.

Mindestens ein Milliardär, mehrere Reality-TV-Stars und Politiker müssen sich peinliche Fragen gefallen lassen. Ein Staatsanwalt aus Florida räumte ein Konto bei AM ein und bat öffentlich und unter Tränen um Vergebung. Politiker wie Hunter Biden, Sohn von US-Vizepräsident Joe Biden, bestreiten dagegen vehement, ein AM-Konto selbst angelegt zu haben. Jemand habe seine E-Mail missbraucht. Tatsächlich könnte sich theoretisch jedermann mit seiner E-Mail-Adresse angemeldet haben. Ashley Madison hat niemals eine Prüfung vorgenommen.

Doch der Schaden ist da. Die Polizei ermittelt sogar, ob zwei Selbstmorde mit dem Datendiebstahl in Verbindung stehen könnten. Avid Media hat eine Belohnung von 379.000 Dollar für Informationen über die Hacker ausgesetzt, die kanadische Polizei und das amerikanische FBI ermitteln.

Daneben tauchte immer mehr Kritik am Geschäftsgebaren selbst auf. Viele Kunden bezahlten eine Gebühr von 20 Dollar an das Unternehmen, um ihr Profil und sämtliche Kommunikation und Fotos von den Servern löschen zu lassen. Trotzdem fanden sie sich in den Datenbanken der Hacker wieder. Die Webseite Gizmodo behauptet nach einer Datenanalyse, dass zudem die meisten der 5,5 Millionen Profile mit dem Attribut „weiblich“ schlicht gefälscht seien und von dem Unternehmen selbst angelegt wurden. Ashley Madison bestreitet dies, aber schon 2013 hatte eine Frau das kanadische Unternehmen verklagt, weil sie sich angeblich die Handgelenke ruiniert hatte, um im Auftrag 1000 gefälschte Konten von angeblich suchenden Damen anzulegen. Der Streit endete in einem Vergleich.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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