Aufsichtsrat berät über Freenet-Beteiligung
Mobilcom eröffnet Suche nach Großinvestor

Der im vergangenen Jahr knapp der Pleite entgangene Mobilfunkdienstleister Mobilcom hat die Suche nach einem neuen Großinvestor eröffnet.

Reuters HAMBURG. „Wir befinden uns in der Anfangsphase“, sagte ein Firmensprecher am Freitag auf Anfrage in Büdelsdorf. Zunächst solle eine Investmentbank feststellen, wer als Interessent für die insgesamt 70 Prozent an Mobilcom in Frage komme, die über kurz oder lang zur Disposition stehen werden.

Aus Industriekreisen war zu erfahren, dass bislang vor allem Finanzinvestoren Interesse zu erkennen gegeben haben. Namen wurden nicht genannt. Bisher handele es sich bei den Überlegungen um nicht mehr als „Gedankenspiele“. Über die Zukunft der Freenet-Beteiligung soll indes am Montag im Aufsichtsrat beraten werden.

Übergang soll möglichst kursschonend verlaufen

Mobilcom-Chef Thorsten Grenz hatte Anfang Juni in einem Interview angekündigt, Investmentbanken mit der Suche nach einem oder mehreren Großinvestoren beauftragen zu wollen. Damit solle verhindert werden, dass bei einem Verkauf größerer Aktienpakete der Kurs der Aktie allzu sehr unter Druck gerate.

Die Nachricht hatte damals einen Kurssprung von zeitweise mehr als 40 Prozent ausgelöst. Am Freitag legte der im Technologieindex TecDax gelistete Titel zeitweise mehr als neun Prozent zu und lag am Nachmittag noch etwa sieben Prozent im Plus bei acht Euro. Bis dahin hatten bereits knapp vier mal so viele Aktien den Besitzer gewechselt wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Knapp ein Viertel des gesamten Geschäfts im TecDax konzentrierte sich auf Mobilcom. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Anteilsscheine mehr als verdreifacht, während der TecDax lediglich um 30 Prozent stieg. Der Kurs des ebenfalls im TecDax notierten Internetdienstleisters Freenet, an dem Mobilcom mit 76 Prozent beteiligt ist, legte am Freitag über elf Prozent auf 45,25 Euro zu.

Aufsichtsrat berät Montag über Freenet

Der Aufsichtsrat von Mobilcom will am Montag über die Zukunft seiner Freenet-Beteiligung beraten, dabei aber voraussichtlich noch keine Entscheidungen treffen. Nach Angaben des Unternehmens soll binnen acht Wochen entschieden werden, ob die Freenet-Beteiligung verkauft wird oder nicht. Damit will man rechtzeitig zu der dann erwarteten EU-Entscheidung über die Mobilcom gewährten staatlichen Kreditbürgschaften fertig sein.

„Wir wollen aufgestellt sein, bis die Entscheidung der EU-Kommission fällt“, sagte Mobilcom-Sprecher Tobias Weitzel. Die EU-Kommission hatte ihre Prüfung der Mobilcom bei der Rettung vor drohender Insolvenz gegebenen staatlichen Bürgschaften vor Kurzem ausgeweitet. Die Kommission prüft nun auch, ob eine Verlängerung der Bürgschaften für die Mobilcom von mehreren Banken gewährten Rettungskredite von knapp 140 Millionen Euro bis 2007 mit den EU-Wettbewerbsregeln vereinbar wäre.

Sollte die Kommission die Bürgschaften als illegal bewerten, hätte das zur Folge, dass die Kredite von den Banken sofort fällig gestellt werden könnten und Mobilcom dann zum Verkauf von Freenet gezwungen wäre. Mobilcom strebt aber an, die Kredite aus Cash Flow zu tilgen und braucht dafür mehr Zeit als die bisher genannten Termine dieses und nächstes Jahr erlauben würden. Dabei setzt die Büdelsdorfer Firma auf Freenet, die seit der Übernahme des Festnetzes von Mobilcom nach Angaben aus Industriekreisen eine Menge Cash Flow generiert.

An Mobilcom ist der französische Telefonkonzern France Telecom mit 28,5 Prozent beteiligt. Firmengründer Schmid kontrolliert zusammen mit seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram rund 42 Prozent. Von beiden wird erwartet, dass sie sich nach ihrem im vergangenen Jahr vereinbarten Vergleich über den Ausstieg aus dem verlustreichen UMTS-Abenteuer von ihren Anteilen trennen werden.

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