Ausblick gesenkt
Balda ist bei Touchscreens in Verzug

Der angeschlagene Handy-Ausrüster Balda schien mit der Touchscreen-Zulieferung für das Apple-Handy iPhone alle Probleme hinter sich gelassen zu haben. Doch wie sich nun bei der Präsentation der Bilanz fürs zweite Quartal herausstellt, hakt es gerade bei der hoffnungsvollen neuen Technologie. Dennoch greifen Anleger zur Aktie.

HB DÜSSELDORF. Balda erwägt den Börsengang des gewinnträchtigen Geschäftes mit den berührungsempfindlichen Bildschirmen, so genannten Touchscreen. Das sei eine strategische Option, sagte Firmenchef Joachim Gut am Donnerstag in einer Telefonkonferenz nach Bekanntgabe der miserablen Zwischenbilanz. Bei einem Umsatzrückgang um rund 20 Prozent auf 66,3 Mill. Euro sei von April bis Juni ein Konzernverlust von 1,4 Mill. Euro angefallen, hatte das Unternehmen am Morgen mitgeteilt. Vor Jahresfrist verbuchte Balda noch einen Gewinn von 4,2 Mill. Euro.

Zwei Großaktionäre der Balda AG haben vor kurzem wegen des Kurssturzes eine massive Umstrukturierung des westfälischen Handy-Ausrüsters gefordert. In einem gemeinsamen Brief an den Vorstand kritisierten der englische Hedge-Fonds Audley Capital und der US-Investor Guy Wyser-Pratte, Balda sei wegen seines unklaren Erscheinungsbildes an der Börse extrem unterbewertet. Balda solle deshalb seine chinesische High-Tech-Tochterfirma TPK ausgliedern und an die US-Börse Nasdaq oder eine vergleichbare asiatische Börse bringen.

Grund für das schlechte Abschneiden im zweiten Quartal ist insbesondere das schwache Geschäft in Europa. Doch auch bei der in Asien beheimateten Produktion berührungsempfindlicher Bildschirme läuft es unrund. Die Produktion stock. Balda habe derzeit insgesamt 15 Kunden für Touchscreens, sagte Gut. Namen nannte er nicht. Zu Jahresbeginn hatte ein Sprecher gesagt, der US-Konzern Apple habe Balda den Auftrag über Displays für sein iPhone erteilt.

Der Vorstand gehe nun davon aus, dass die Jahresziele nicht erreicht werden, hieß es im jüngsten Zwischenbericht. Balda hatte einen Vorsteuergewinn 50 bis 55 Mill. Euro angekündigt und ein Umsatzplus von 70 Prozent auf 600 bis 650 Mill. Euro. Der Kurs der im SDax notierten Balda-Aktie stürzte zum Börsenstart um rund 5 Prozent ab, fing sich nach der Ankündig der möglichen Abspaltung des Touchscreen-Geschäfts aber wieder und notierte zwischenzeitlich mehr als 1 Prozent im Plus.

Die Pleite des Handy-Herstellers BenQ Mobile – ein Großkunde der Bad Oeynhausener – und der Preisverfall bei Mobiltelefonen hatten Balda im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 42 Mill. Euro beschert und vor Steuern ein Minus von 50 Mill. Euro. Daraufhin hatte Balda ganze Werke in Deutschland verkauft inklusive der Belegschaft und einen großen Teil der Produktion nach Asien verlagert, wo mittlerweile die meisten Handy-Hersteller produzieren. Entsprechend stieg im zweiten Quartal der Umsatz in der Region um fast 40 Prozent, während er in Europa weiter abnahm.

Hiobsbotschaft

Ein konkretes Umsatzziel für das angestammte Geschäft – die Produktion von Handy-Gehäusen – nannte Balda nicht, ebenso wenig wie für den Bereich Touchscreens, auf den in der jüngsten Vergangenheit die Anleger große Hoffnungen gesetzt hatten. Doch gerade dieses Geschäft macht Probleme. Bei einer großen Bestellung habe sich der Auftraggeber unmittelbar vor Produktionsbeginn für eine andere Touchscreen-Variante von Balda entschieden, teilte das Unternehmen mit. Dadurch käme es zu Verzögerungen. Einige Umsatz- und Ergebnisbeiträge verschöben sich daher ins kommende Jahr. Balda warnte, durch die kurzfristige Produktionsumstellung könnte es zu Lieferengpässen und Qualitätsschwankungen kommen.

Ob Apple der Großkunde ist, ließ Balda offen. Der US-Konzern hatte in den ersten beiden Verkaufstagen des iPhone 270 000 Stück abgesetzt. Bis Ende 2008 will Apple 10 Mill. Geräte verkaufen. Balda ist einer von zwei Zulieferern für das Touchscreen, das das iPhone von anderen Handys unterscheidet.

Der Touchscreen-Auftrag aus Übersee hatte in den ersten Monaten des Jahres bei Balda für Kursfantasien gesorgt. Seit der Einführung des Multifunktions-Handys im Juni verloren die Papiere allerdings ein Drittel ihres Wertes, da sich Experten nicht einig sind, ob sich das 500 bis 600 Dollar teure Gerät am umkämpften Mobilfunkmarkt durchsetzen wird. Einer Studie des US-Marktforschungsinstituts iSupple zufolge kostet das Balda-Display 27 Dollar.

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